75

FÜNF – UND – SIEBZIG lange Tage und Nächte war ich ohne dich. Gut, dass ich die Tage am Anfang nicht gezählt habe, wie sehr hätte mir diese, für ein sehnsüchtiges Herz, erschreckend hohe Zahl den Boden unter den Füßen hinweg gefegt. Ich habe sie nicht gezählt, die Tage nicht und die Stunden nicht, nur die Monate. Ich glaubte es würde würde eine Ewigkeit dauern, weil jeder Tag ohne dich schon der Ewigkeit gleich kommt. Es war eine Ewigkeit, eine, die nun ihr Ende findet. All die Dinge die ich ohne dich sah, fühlte, roch und erlebte, ich sah, fühlte, roch und erlebte sie nur halb. Weil du meine Hälfte bist.

Wenn ich mit dir bin, dann sehe ich die Welt wieder mit den Augen eines Kindes, ich bin fasziniert von allem, ich fühle mich so leicht und unbeschwert. Die Welt, sei es Wüste oder betonierte Großstadt, wird in deiner Gegenwart zu einem Kunstwerk, einer Wunder-Welt.

Mit dir wachsen mir Flügel, große, starke, solche die die Angst vor dem Sturm nicht kennen, weil ein unsichtbarer Schutz sie umhüllt.

75 Tage.

Ich will, für den Rest meines Lebens, nie wieder 75 Tage von dir getrennt sein, weil die Welt dann keine Wunderwelt mehr ist und mir die Flügel kläglich zusammen schrumpfen würden.

opjpoj

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Was es in Jordanien nicht alles gibt…

Da bin ich wieder! Das klingt so fröhlich, nicht wahr? Bin ich eigentlich gar nicht. Wobei, doch, ich bin es! Ich bin glücklich wenn ich mich an die wundervolle Zeit erinnere. 12 Tage in denen wir jede Sekunde ausgekostet haben und manchmal erst dann schliefen, wenn wir uns vor Erschöpfung nicht mehr auf den Beinen halten konnten. Wir sind in den Süden ans Meer gereist, haben einen Ausflug in den Westen gemacht und Amman bei Nacht erkundet. Die Unbeschwertheit konnten wir uns bewahren, bis zur letzten Minute, als ich durch die Passkontrolle musste. Dann war es wieder um uns geschehen, der 3. Abschied – wir hoffen beide, dass es nun der Letzte war.  (Daumen drücken erwünscht! ^^)

Weil ich nicht besonders gut darin bin, ausführliche Reiseberichte zu schreiben, gibt es auch diesmal nur ein paar Bilder. Wer gerne mehr über Jordanien wissen möchte: Einfach fragen 😉

Beginnen wir mit etwas zum Schmunzeln: 

Wenn man nichtsahnend in Amman mal in eine Seitenstraße abbiegt – versperrt schon mal eine Ziegenherde den Weg. 

 

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In Aqaba machen Kamele ihre Mittagspause auf den kleinen Grünstreifen, zwischen den Straßen und Polizisten (hinten links) glauben du wärst ein ausländischer Spion, der sie fotografiert – weil sie das Kamel gaaar nicht gesehen haben vorher….ist ja so gut getarnt da… 😉 

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Amman hält den Weltrekord in „gigantisch große Falafel backen“

 

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Thrombosestrümpfe im roten Meer! 

 

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Wieder zurück

Eigentlich bin ich das bereits seit einer Woche, aber ich konnte mich nicht aufraffen hier etwas zu schreiben, obwohl ich schon eine Menge Ideen hatte, wie ich was beschreiben möchte.

Sonntag Morgen um 5 Uhr bin ich in Köln gelandet, mein Vater wartete schon auf mich, erschöpft lief ich in seine Arme und begann laut zu schluchzen. Er drückte mich fester und erkundigte sich, ob es denn am Flughafen in Tel Aviv wieder so schlimm war (Ich werde noch darüber berichten) – Nein war es nicht. Ich war nur unendlich traurig, schon den ganzen Flug über. Jeder kennt das, nach dem Urlaub verfällt man oft in ein kleines Loch, man will zurück, nicht wieder in den drögen Alltag zurück. Bei mir ist das noch ausgeprägter, jedenfalls wenn ich aus Jerusalem zurück komme – alle Länder die ich bereist habe sind schön, interessant, atemberaubend, aber Jerusalem liebe ich, liebe ich wie verrückt, wie einen Geliebten.

Jetzt bin ich zurück, habe sofort begonnen zu arbeiten, obwohl mein Körper gestreikt hat, während ich dort nichts hatte, bekam ich hier alles, sogar eine Magenverstimmung (so schlecht kann das Leitungswasser dort dann nicht sein 😉 ) Und noch immer habe ich mich nicht wieder an den Trott gewöhnt. Erschreckend stelle ich fest das, während ich in 3 Wochen so unfassbar viel erlebt habe, hier die Zeit beinahe stehengeblieben ist, sogar die Nachrichtensprecher leiern die selben Nachrichten wie vor meiner Abreise herunter – ich fühle mich ein wenig wie in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Leider habe ich keine Zeit mich in meiner Sehnsucht und meinem „Jerusalem-Weh“ zu suhlen, da in 5 Wochen mein Arbeitsvertrag endet und ich noch keinen neuen Job gefunden habe. Dafür habe ich, wenn ich hier bleiben sollte, ein wunderbares Forschungsthema für meine kommende Masterarbeit – natürlich geht es um Israel 🙂

Ich werde nun anfangen meine Erfahrungen, Begegnungen und Erlebnisse aufzuschreiben. Mal werde ich einfach die Geschichte einer Frau oder eines Mannes erzählen, mal bestimmte Ereignisse, manchmal vielleicht auch einfach eine Beschreibung – immer wieder gespickt mit Fotos – ich hoffe es wird euch gefallen!

Ratschlag von Ninjaan an Ninjaan

Vermeide stundenlange Gespräche (egal wie groß deine Freude darüber ist, dass er sich jetzt schon seit Stunden für dich Zeit nimmt!) – denn zwangsläufig fallen in stundenlangen Gesprächen auch mal Sätze, die du lieber nicht gehört/gelesen hättest!

Erkärung:

Yaya: i had turkish girlfriend years ago , maybe thats why i have a trend to tyrkish music. Like ur trend to persian music. 😀 „

Nein, dass will ich nicht wissen – schon gar nicht wenn´s um SIE geht und warum ist sie plötzlich deine Exfreundin? Und jahrelang ist auch leicht übertrieben… Und überhaupt: SHUT UP!

An meiner Reaktion war aber abzulesen was ich davon halte und er lenkte ein, beschwichtigt mich – wow…ich hätte nicht damit gerechnet, ich sollte vielleicht öfter mal leicht „rumzicken“ ?! Aber mir soll´s recht sein „Exfreundin“ oder „Pseyudo Exfreundin“ solange da ein EX vorsteht, is es mir latte -LATTE!

(P.S. Rückkehr verschiebt sich übrigens um 4 Wochen…)

 

25.07.2012

25.07.2012

Ein stinknormales Datum,  ich muss bald zur Arbeit, ein guter Freund von mir hat heute Geburtstag, aber er lebt zu weit weg, um ihn zu besuchen, also werde ich nicht an seiner Feier teilnehmen können.

25.07.2012

Ein Mittwoch, in spätestens einem Jahr werde ich mich überhaupt nicht an diesen Tag, geschweige denn  daran, dass es ein Mittwoch ist, erinnern können, wenn ich dann nicht zufällig mein Blogarchiv durchforste und auf diesen Artikel hier stoße.

25.07.2012

Im Hintergrund läuft Casey Abrahmas „Great bright morning“ – morning ist nicht mehr, aber great und bright schon, jedenfalls für deutsche Verhältnisse, das Thermometer zeigt 29 Grad an!

25.07.2012

Noch 12 Tage bis ich in den Urlaub fliege, weder habe ich meine Auslandskrankenversichernug abgeschlossen, noch bin ich auf alle Eventualitäten vorbereitet – aber macht nichts, ich bin sowieso eine „Alles auf den letzten Drücker Macherin“.

25.07.2012

Heute in genau 7 Tagen ist Yaya´s Praktikum in South Germany beendet. Heute vor genau 7 Monaten war unser letztes (erinnerungswürdiges) Treffen*. Der letzte Kuss war heute vor 7 Monaten.

25.07.2012

Ich bin heute, am Mittwoch den 25.07.2012, mit einem komischen Gefühl aufgewacht, weil Yaya bald zurückkommt, weil die 7 langen Monate um sind. 7 Monate in denen ich glaube ich so ziemlich jede beschxxx Phase des Verliebtseins aka Liebeskummers durchgemacht habe. Ich glaube es waren sogar 7 Phasen:

Phase 1 (Januar 2012)

Yaya geht weg, das war´s! Ich breche einen Streit vom Zaun, damit ich ihn nicht zu sehr vermisse, weil ich ihm nicht sagen kann, dass ich ihn vermisse und ihn nicht vermissen will  und das sowieso nichts, aber auch rein gar nichts ändern würde!

Phase 2 (Februar 2012)

Yaya ist weg, aber er schreibt mir ständig, fragt warum ich nicht antworte, ob ich böse auf ihn bin? Yuhuuu er denkt an mich, vermisst er mich auch? Betrunken ruft er mich nach 2 Wochen im Süden über Skype an… „I want to see u on cam ninjaan…!“ (Ich schmelze)

Phase 3 (März 2012)

Ich vergesse alle Vorsicht, tue Dinge, die ich nie zuvor getan habe, für ihn und weil er mich doch auch vermisst? Wann kriegen wir es endlich hin uns wiederzusehen? 500 km sind doch nicht die Welt oder?

Phase 4 (April 2012)

Das Hochgefühl aus der vorherigen Phase hält an, ich bin verliebt! Und weil ich mir das endlich unumwunden eingestehen kann, schreibe ich es ihm! Eine Mail, mit all meinen Gefühlen für ihn – nicht schnulzig, etwas verpackt, für meine Verhältnisse aber sehr deutlich!

Phase 5 (Mai 2012)

Die Ernüchterung. Yaya empfindet nicht dasselbe –  er zieht sich zurück, mehr und mehr. Ich bin verletzt, suhle mich in meinem Schmerz, schließlich werde ich wütend – der hässlichste Streit überhaupt entfacht zwischen uns.

Phase 6 (Juni 2012)

Verdrängung. Yaya ist mir egal! Ich will gar nicht mit ihm reden! Mir doch egal, ob er weiterhin versucht mit mir Kontakt zu haben. Er hat bestimmt eine Andere! Überall sehe ich versteckte Hinweise – aber es ist mir doch egal – blöder Yaya! Blöde Ninjaan!

Phase 7 (Juli 2012)

Aus Verdrängung wird Traurigkeit wird Freundschaft – wir sind jetzt Freunde. Habe ich jedenfalls beschlossen. Alles ist freundschaftlich – ja, ja ich bin total zufrieden damit! Yaya und Ninjaan sind jetzt nur Freunde!

25.07.2012

Es ist noch immer Juli, aber heute morgen bin ich aufgewacht und spürte den Schweiß auf meiner Stirn – kommst du jetzt zurück Yaya? Und wenn ja, sehen wir uns dann? Und wenn wir nur Freunde sind, warum macht mir der Gedanke, du könntest zurück kommen und mich nicht sehen wollen, solche Angst? Und wenn wir Freunde sind, warum können wir dann nicht mal ungezwungen was miteinander unternehmen?

25.07.2012

Ein ganz normaler Tag, aber er fühlt sich nicht so an, hört sich nicht so an, schmeckt nicht, riecht nicht so. Im Hintergrund vernehme ich ein leises Ticken, der Countdown läuft, bald ist er zurück  – aber was heisst eigentlich zurück? Zurück hat für mich keine Bedeutung, solange er nicht zurück zu mir kommt und jeden Abend wenn wir miteinander schreiben warte ich auf den Moment, auf diesen einen Satz: “ I am coming back ninjaan!“ – Aber er sagt ihn nicht, weil er, davon gehe ich aus, weiß, was dieser kleine Satz für mich bedeuten würde…

 

 

 

* (Das stimmt so nicht ganz, heute vor 7 Monaten und 4 Tagen war eigentlich unser letztes Treffen, aber das war nicht erinnerungswürdig, obwohl es wohl das Treffen ist, an das ich mich im Grunde am besten erinnern kann – aber dazu irgendwann mehr in der Retrospektive!)

Retrospektive Oktober 2011

„I have never seen that dress you’re wearing
Or the highlights in your hair that catch your eyes I have been blind

Lady in red is dancing with me cheek to cheek
There’s nobody here, it’s just you and me, It’s where I wanna be
But I hardly know this beauty by my side
I’ll never forget, the way you look tonight“ (Lady in red, Chris deBurgh)

Du kommst zurück. Zurück zu mir. Du hast nie gesagt, dass du zurück kommen willst und ich habe niemals gesagt, dass du zurück kommen sollst. Nach unserer letzten Begegnung am Bahnhof sind wenige Wochen vergangen, ich hatte die Hoffnung aufgegeben, dass du und ich jemals wieder so sein könnten wie zuvor. Unser Kontakt brach trotz unseres katastrophalen letzten Treffens nicht ab. Du warst etwas reservierter als sonst, ich ebenfalls, doch wir konnten nicht ganz voneinander lassen.

Die Musik hat uns wieder zusammengebracht. Mein Projekt. Alles lief schief, nichts funktionierte wie es sollte, aber ich hätte dich niemals gebeten zu kommen, dafür war ich zu stolz. Also bist du über deinen Schatten gesprungen und hast mir angeboten alles zu installieren und anzuschließen – du könntest allerdings erst abends. Kein Problem, ich auch…

Und so stehe ich nun, wie so viele Male zuvor, um 21 Uhr am Bahnhof und warte auf dich. Ich versuche nicht nervös zu sein, ich bin über dich hinweg sage ich mir. Das war Einbildung, meine Gefühle niemals echt. Du und ich, wir passen gar nicht zusammen. Wie ein Mantra habe ich mir das alles, im Auto auf dich wartend, aufgesagt.

Deinen Weg vom Gleis bis zum Auto habe ich dich extra nicht angesehen, so getan als würde ich etwas im Auto suchen, nicht erinnern, nichts machen, dass Gefühle hervor ruft! Als du neben mir sitzt reichst du mir die Hand, Kumpels, dass sind wir jetzt. Auf der Fahrt siehst du mich an, wir reden wenig, es ist irgendwie noch komisch und vielleicht wartest du darauf, dass ich auf den Rücksitz greife und dir eine Cola reiche, wie so viele Male zuvor. Aber diesmal habe ich keine Cola für dich.

Als wir im Jugendzentrum ankamen, war niemand mehr dort. Du hast darauf bestanden, dass ich dir alles zeige und  warst so begeistert. Alles war toll. „That´s an awesome place ninjaan! It´s sooo oldschool! I´d love to chill here! U did a great job!” Deine Worte erfüllten mich mit Stolz…in den wenigen Wochen hatten wir viel gearbeitet, viel geändert, dass es dir gefällt, macht alles noch schöner für mich. Bevor wir ins Tonstudio gehen, setze ich einen Kaffee auf und du hast mich zum Kicker gerufen. Du wolltest ein kleines Match. Ich habe gnadenlos verloren, ich bin eine Niete im Kickern. Aber es hat die Stimmung gelockert.

Im Tonstudio machst du dich gleich an die Arbeit. Ich habe gehofft, dass du es nicht schnell genug hinbekommst, ich wollte nicht, dass du wieder gehst. Du solltest bleiben Yaya. Ich bin doch über dich hinweg, wir können wieder so sein wie vorher.

Irgendwann hast du auf dem großen Sessel Platz genommen und ich habe mich neben dich gekniet. Du hast die Software auf dem Laptop installiert und mir dabei etwas erklärt. Aber alles woran ich denken konnte, war dein Duft. Du hast gerochen wie immer, nach dir, nach Leidenschaft. Du hast bemerkt, dass ich dir nicht wirklich folge und mir lächelnd über´s Haar gestrichen.

Nach Stunden ist endlich alles angeschlossen und installiert. Du hast die Hand nach mir ausgestreckt und mich zu dir gezogen. „U want me to stay?“ Ich lächelte:“ Let´s go home.”

Zuhause angekommen bist du schnell unter die Dusche gesprungen, du seist direkt von der Arbeit gekommen – ich hoffte nur, mein Duschgel würde deinen Duft nicht zu sehr übertönen.

Ich machte Pizza für uns und holte eine Flasche Cola aus dem Kühlschrank – Ja, ich hatte welche gekauft, als wenn ich es wirklich vergessen hätte, Yaya! Du hast dich aufs Bett geworfen und wir haben gemeinsam gegessen und uns dabei einen völlig bescheuerten Film angesehen. Es fühlte sich so gut an, so als wäre niemals etwas gewesen zwischen uns, als wären nicht Wochen seit unserem letzten Treffen vergangen, als hätte es den Tag am Bahnhof niemals gegeben.

Irgendwann drehst du dich auf den Rücken und siehst mich an, ich versuche es zu ignorieren und bekomme doch eine Gänsehaut. Sanft berührst du mein Gesicht und ziehst mich näher an dich heran. Eine kleine Ewigkeit schauen wir uns nur an, dann küssen wir uns, langsam, vorsichtig, als wäre es unser erster Kuss… Du riechst so gut, trotz des Duschgels rieche ich dich. „U smell so good!“ Verlegen schaust du zur Seite:“ Don´t say that…“ – „But it´s the truth.“ Du siehst mich an, du wirkst unsicher, fragend schüttele ich den Kopf. „Someone once told me, I smell too much…“ Ich bin erschrocken, wie konnte jemand so etwas sagen? Du riechst wundervoll, du bist der erste Mensch den ich überhaupt so intensive wahrnehme! Ich streichel vorsichtig über dein Gesicht, küsse dich. „I love it!“

Am nächsten Nachmittag, auf dem Weg zum Bahnhof, erscheint alles zwischen uns wieder wie vorher zu sein. Du sitzt entspannt neben mir und siehst aus dem Fenster. Dann beginnst du das Lied von Chris de Burgh zu singen. Wie immer bekomme ich eine Gänsehaut bei deiner Stimme. Du schaust zu mir rüber und lächelst. „I´ll record it for u one day.“

Daily Soap Alarm?

Was ist hier los? Mein Leben verkommt zu einer Daily Soap! Alles ist ein Drama, diese Dramen ziehen sich wie Kaugummi in die Länge  UND es tauchen plötzlich „totgeglaubte“ wieder auf! Das geht hier doch nicht mehr mit rechten Dingen zu!

Wir haben gegrillt, auf der Arbeit, es gab Bratwürstchen, Djujeh Kabab (Hähnchenspieße mit Safran), Kabab Spieße mit Hack, selbstgemachten Bulgursalat und eine riesige Schüssel selbstgemachtes Zaziki. Alles lief wie geplant, einer der Jungs stand ewig mit mir in der Küche um die Spieße vorzubereiten, es war voll draussen, obwohl die EM schon angefangen hat – ein kleiner Erfolg, wobei: Essen ist immer ein Magnet 😉

Irgendwann hörte ich einen meiner Kollegen laut mit jemandem lachen und scherzen, die andere Stimme kam mir ebenfalls bekannt vor, es war eindeutig keiner unserer Jungs. Ich ging hinaus, um nachzusehen und wäre am liebsten wieder rückwärts zurück ins Gebäude gestürmt. Da stand niemand anderes als mein Exfreund (eigentlich mein Ex, Exfreund). Klingt erst mal nicht wie eine große Sache oder? Andere laufen ihren „Exen“ ständig über den Weg. Stimmt, ich verfalle auch nicht in Panik, wenn ich meinem letzten Freund begegne, oder meinem ersten Freund, bei diesem hier ist das alles aber etwas anders!

Wir waren nur ein halbes Jahr zusammen, hatten uns vor 5 Jahren auf der Arbeit (eben dieser wo ich heutzutage Chefin bin) kennengelernt, und im Gegensatz zu meinen anderen Beziehungen endete diese katastrophal. Katastrophal, weil sie eigentlich wundervoll war, 6 Monate perfektes Glück, das erste Mal glaubte ich, wirklich einen Partner gefunden zu haben, alles lief toll, sogar ich war gar nicht so „verrückt“ wie sonst.

Dann, eines Tages kam das Unfassbare, er stand vor mir und sagte mir, dass seine Familie unsere Beziehung nicht länger dulden würde, sie ein Mädchen gefunden hätten und wenn er diese nicht heiraten würde, müsste er gehen, dann wäre er raus, für immer. Ich dachte immer so etwas würde nur in Filmen geschehen, so etwas passiert nicht wirklich, jedenfalls nicht mir! Aber es passierte mir, 2 Wochen verabschiedeten wir uns, es war ein Albtraum. Ich bat ihn nicht einmal zu bleiben, wir waren erst 6 Monate zusammen! Wie kann ich da  jemanden bitten seiner Familie den Rücken zu zukehren und bei mir zu bleiben – und war ich überhaupt soweit?

2 Wochen saßen wir weinend in meiner Wohnung, die er vorher liebevoll renoviert und eingerichtet hatte, 2 Wochen lang, dann war es vorbei. Ich wollte den Kontakt abbrechen, ich konnte nicht warten bis er mit ihr verheiratet war, schon gar nicht weiter mit ihm Kontakt haben, wenn er es erst einmal war. Es fiel mir schwer, ihm noch schwerer. Ich ging irgendwann nicht mehr ans Telefon, es war alles zuviel für mich. Als ich einige Wochen nichts von ihm hörte, wurde ich unruhig, ich rief ihn an – sein Handy war aus! Erst Tage später rief er mich zurück, seine Stimme klang matt. Er sagte nur, dass er jetzt verheiratet sei, ob es mir gut gehe und ob er etwas für mich tun könne. Ich war sprachlos, geschockt, so schnell hatte ich nicht damit gerechnet, ich legte einfach auf.

Danach haben wir uns 1 1/2 Jahre nicht gesehen, ich habe es vermieden irgendwo hinzugehen wo er sein könnte, ich hörte nur hin und wieder, dass er sich nach mir erkundigte. Irgendwann lernte ich meinen letzten Freund kennen und plante mit ihm nach Berlin zu ziehen, weil ich dort einen Job bekommen hatte. Alles war wieder gut, ich dachte kaum noch an den Anderen, als er plötzlich, an meinem letzten Arbeitstag, im Jugendzentrum auftauchte, irgendwer hatte ihm gesagt, dass ich gehe. Dieses Treffen war so verstörend wie zu erwarten. Wir standen uns lange schweigend gegenüber, dann weinten wir, beide. Wir redeten uns Mut zu, dass alles gut werden würde, dass wir glücklich waren und es sein würden, dass es eben so sein sollte und nicht anders. „Du bist die Eine und ich war ein feiger Idiot. Bitte vergib mir….vergib mir irgendwann!“ Wir umarmten uns, ich hatte ihm längst vergeben, alles hatte so sein sollen, was wäre aus uns geworden, wenn wir gezwungenermaßen, mit so einer Last auf den Schultern, zusammen geblieben wären?

Ich zog nach Berlin, hatte eine Beziehung, war sogar verlobt, hin und wieder hörte ich von Freunden, dass er sich nach mir erkundigt hatte, dass er immer wieder und wieder sagte, dass er es so sehr bereue.

Ich trennte mich nach fast zwei Jahren Beziehung, zog aus Berlin zurück und sah ihn nicht wieder, aber weiterhin wurde mir von Freunden etwas übermittelt, kleine Nachrichten. Ich hatte mich daran gewöhnt. Seit ich in dem Jugendzentrum arbeite, habe ich eigentlich darauf gewartet, dass er kommt. Hier haben wir uns kennengelernt, ich wollte ihm zeigen, was ich alles daraus gemacht habe – aber er kam nicht, bis gestern nicht. Und ich, die sich gewünscht hatte, er würde kommen, wünschte nun er hätte es nicht getan.

Noch immer ist da etwas zwischen uns, noch immer ist es sehr emotional. Wir sehen uns an, mit Tränen in den Augen, er ist verheiratet, hat mittlerweile einen Sohn. Wie eine Wand steht das zwischen uns. Er blieb den ganzen Abend, wir saßen oft zusammen, die Melancholie zwischen uns war auch für meine Kollegen spürbar und man ließ uns alleine, nur manchmal kamen Jugendliche rein, die uns mißtrauisch beäugten – aber nicht wussten was los war.

„Können wir später reden?“ vor dieser Frage hatte ich Angst gehabt, aber ich habe geahnt, dass sie kommt. Ich wollte nein sagen, weil er verheiratet ist, weil es irgendwie verstörend ist ihn zu sehen. Vielleicht, weil wir uns damals auf so eine Weise getrennt haben? Vielleicht weil wir gar keine Chance bekommen haben, uns „normal“ zu trennen weil es nicht passt, sondern weil wir auseinander gerissen wurden? Ich schaffte es nicht nein zu sagen. Wir saßen stundenlang im Auto, versteckt, keiner sollte es sehen (sein Neffe ist auch noch einer meiner Jungs!) und haben geredet. Manchmal hätte ich fast geweint, manchmal war ich wütend. Wir sagten alles, was man sagen kann. Und er sagte noch alles, was ein Mann, der seine Frau nicht liebt, sie aber nicht verlassen will, sagt.

„Du bist die Eine…das warst du immer…du weisst das.“ Nein, ich weiss gar nichts! Ich habe ihm gesagt, dass ich verliebt bin, in jemanden, der mich nicht liebt, dass ich das alles nicht kann, weil er verheiratet ist, dass ich Moralvorstellungen habe, die ich nicht aufgeben will. Er hörte zu, nickte, strich mir übers Haar und hielt meine Hand. “ Verschwende deine Liebe nicht an jemanden, der dich  nicht auch liebt!“ – “ Darum werde ich sie auch nicht an dich verschwenden!“ Er lächelte gekränkt.

5 Stunden saßen wir da, redeten über alles, über früher, über heute. Darüber, was hätte sein können, wenn wir uns anders entschieden hätten. Die ganze Zeit hielt er meine Hand, es war so fremd und doch so vertraut. Irgendwann umarmte er mich, küsste mich, ich wand mich ab. „Ich will das nicht! Das geht nicht! Du hast mich verlassen für sie! Du kannst nicht so tun als wäre nichts gewesen die letzten  5 Jahre! “ Er entschuldigte sich leise, rückte ein Stück weg von mir: “ Ich…ich kann nicht anders wenn ich bei dir bin. Entschuldige, ich weiss du willst das nicht – aber es ist immer noch da! Fühlst du es nicht auch?“ 

„Du klingst wie ein verheirateter Mann aus so einem Kitschroman, der seine Geliebte beruhigen will!“  Er sah aus dem Fenster, ob meine Worte ihn getroffen haben oder ob sie tatsächlich den Nagel auf den Kopf getroffen haben, vermag ich nicht zu sagen. Nur, dass ich kurze Zeit später nach hause fuhr, völlig verwirrt. Beim Abschied sagte er nur, dass er mich anrufen würde, dass er nicht aufhören könnte jetzt, solange, bis ich ihm eindeutig sage, dass ich keinen Kontakt will. Ich habe nichts dazu gesagt, aber ich weiss, dass ich das noch muss.

Als ich zuhause ankomme, den Laptop hochfahre, um zusehen, ob Kat noch wach und online ist, bekomme ich eine Nachricht bei Skype. Einen Smiley und die Frage wie es mir geht, von YAYA! Mir ist danach zu weinen, aber es geht nicht, ich würde sowieso aus reinem Selbstmitleid weinen. Warum läuft bei mir immer alles so chaotisch? Warum immer alles auf einmal?

Ich habe Yaya nicht geantwortet, ich weiss nicht mal warum er das gerade macht? Ich glaube eher es ist der lustige Drehbuchautor, der meine Soap etwas kitschiger, etwas unfassbarer gestalten will und alle anderen handeln nur wie Marionetten.

Ich hoffe ich muss heute Arbeiten, in wenigen Stunden wollten sie mich anrufen, um mir Bescheid zu geben ob ich noch eine 24 Std. Schicht am WE machen soll – das wäre wundervoll…ganz weit weg, ohne Skype und ohne die Chance, dass Er (nennen wir ihn mal B.) vor meiner Türe steht.

Kann ich aus dieser bescheuerten Daily Soap aussteigen? Möchte jemand meine Rolle übernehmen? Bewerbungen bitte an:

http://www.whocaresaboutninjas.com