Das Messer

„missed u much“

Schreibt SIE an Yaya. Unter sein Foto, das öffentlich zugänglich ist.

Ich würde es gerne sagen, aber ich kann es nicht. Immer und immer wieder starre ich auf diese kleinen, eigentlich doch so unbedeutenden, Buchstaben „ed„. Vergangenheitsform. Abgeschlossene Vergangenheit? Ich werde es nie erfahren.

Ich sollte nicht schauen, nicht stalken. Aber vor Wut denke ich mir nur: SIE sollte es nicht schreiben. Er sollte es sie nicht schreiben lassen. Ausser… Ausser alles was er mir jemals gesagt hat war eine Lüge. Auch das werde ich niemals erfahren.

Auch ist das vielleicht nicht eigentlich Liebe, wenn ich sage, daß Du mir das Liebste bist; Liebe ist, daß Du mir das Messer bist, mit dem ich in mir wühle. (Kafka)

Das erste Mal in meinem Leben verstehe ich, was Kafka gemeint hat.

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Der lange Abschied Teil II

Vor zwei Wochen bin ich an einem Sonntag Morgen wieder in Köln gelandet.

Ich hatte vor noch einige Tage in der Nähe von Köln bei meinem Vater zu bleiben, ich war viel zu selten dort und ich spürte wie er sich freute. Schon am selben Nachmittag zeigte ich ihm alle meine Fotos (immerhin weit über 500 Stück), naja, fast alle. Die Fotos aus der Westbank befanden sich bei Yaya. Und weil ich eigentlich, abgesehen von meiner Sehnsucht nach Jerusalem, guter Dinge war, schrieb ich Yaya eine Sms. Wie es ihm gehe, ob er schon aus dem Süden zurück sei und das ich wieder im kalten Deutschland bin und mich freuen würde, wenn er die Fotos wieder in unseren Dropbox Ordner laden könne, sobald er Zeit dazu habe. Im Haus meines Vater habe ich kaum Empfang und so verschwand ich ständig auf die Terasse, um zu schauen, ob ich schon eine Antwort bekommen habe.

Nun ja, was soll ich sagen? Ich bekam keine. Obwohl Yaya einen Vertrag hat. Am späten Abend zeigte mir mein Dropbox Ordner an, dass Yaya alle Dateien hochgeladen hatte – ohne ein Wort. Zwei Tage später fuhr ich nach Hause zurück und entdeckte Abends, dass Yaya mir am Sonntag Abend bei Skype geschrieben hatte „Welcome to Iceland!“ – Keine Antwort auf meine Fragen, kein Erkundigen nach meinem Wohlbefinden. Das saß. Ich schwieg weiterhin, auch als er mir noch am selben Abend zwei Filme über Dropbox schickte – ich bin nicht wild darauf irgendwas zu bekommen, alles was ich will ist ein Gespräch, aber genau das bekomme ich nicht. Was für Freunde sind wir eigentlich?

Am nächsten Tag hat er mir immer noch nichts geschrieben und ich tue wieder das, was man in solchen Fällen nicht tun sollte, ich suche seine Seite bei Fb auf. Wir sind zwar keine Freunde mehr, aber einiges ist für mich dennoch sichtbar. Ich sehe, dass er den Song meiner Jugendlichen geteilt hat und freue mich. Hätte ich es nur dabei belassen! Ich jedoch scrolle etwas weiter hinunter und sehe, dass er 2 Tage zuvor, einen Song von Fettes Brot gepostet hat „Ich lass dich nicht los“, mit einem kurzen Kommentar, der zwar niemanden direkt anspricht, aber erkennen lässt, dass er diesen Song jemandem widmet. Der Song hat ein“ Gefällt mir“ und einen Kommentar – von IHR!

Ich würde gerne weinen, schreien, irgendwo gegen schlagen – aber nichts davon geht mehr. Es ist einfach zu viel. Wenn sie so wichtig ist, warum hast du mich dann in deinem Leben gehalten? Bin ich nichts anderes als dein blödes „rebound girl“?

Als Kurzschlußreaktion blocke ich ihn, bei FB und bei Skype. Ich will nichts mehr sehen und nichts mehr von ihm hören. Ein paar Tage scheint das zu reichen, ich fühle mich nicht wirklich besser, aber etwas stärker, nicht mehr ganz so hilflos.

Nach wenigen Tagen erhalte ich plötzlich eine Sms (!):

I am in Hamburg ninja, I stay here with my cousin. I dont have internet. Don´t get angry if I dont write! The video of ur kids is awesome! U did a great job!

Er hat also kein Internet, dabei könnte ich schwören sein „Dont get angry with me if I dont write“ ist das Resultat davon, dass er bemerkt hat, dass ich ihn geblockt habe. Das Video hat er vor Tagen gesehen, er hätte mir schon vorher etwas dazu schreiben können – als er noch Internet hatte! Warum also jetzt? Ich grübel lange nach und entschließe mich dann ihm zu antworten. Nicht weil ich mein Vorhaben, keinen Kontakt mehr mit ihm zu haben, brechen will, sondern weil ich der Meinung war, er würde mir wieder schreiben, sollte ich nicht antworten.

Everything is fine Yaya (Ich habe seinen richtigen Namen geschrieben, keinen Kosenamen, womit ich Distanz zeigen wollte…). I am glad to hear u liked the video. Enjoy Hamburg.

Kurz und höflich ohne eine Antwort zu erwarten. Ich hoffte das würde erst einmal reichen. Es reichte aber nicht, denn am nächsten Tag erhielt ich erneut eine Sms von ihm. Deren Inhalt  so bescheuert war, dass ich bis heute nicht weiß, was er sich dabei gedacht hat, aber seht selbst:

Yes it is a master piece! Ninjaan, I want to write a note to our neighbour, I want to use his internet for some time, can u write it for me pls?

Ich erhalte diese Sms 2 Stunden später, da mein Handy während eines Treffens mit der Volksbank ausgegangen war und starrte nun ungläubig auf seine Worte. Ich soll ihm einen Satz schreiben? Der Mann hat seine Masterarbeit auf Deutsch geschrieben und jetzt kann er nicht mehr so einen Satz schreiben? Ich hatte ihm schon einmal bei formellen Schreiben geholfen oder seine Bewerbung überarbeitet – aber so einen Satz? Für eine Sekunde bin ich versucht ihn anzurufen, um ihn zu fragen, ob das ein Witz sein soll. Ich tue es aber nicht und schreibe ihm irritiert einen Satz mit der Frage, ob er so etwas meinen würde?

Und dann? Dann bekomme ich keine Antwort mehr. Kein Danke, keine Erkärung, nichts. Nichts an diesem Tag und nichts am nächsten Tag. Und wieder sitze ich, immer ein Auge auf dem Handy da und warte und warte. Und ich hasse warten und mit jeder Stunde die ich auf eine Antwort warte, geht es mir mieser.

Letzten Donnerstag morgen fasse ich dann den etnscheidenden Entschluß, wenn ich ihn schon überall geblockt habe, dann sollte ich auch konsequent sein. Ich kann ihm schlecht verbieten mir Sms zu schreiben – aber ich kann es unmöglich machen. Ich rufe bei der O2 Servicehotline an und bitte um eine neue Nummer. Die Frau am anderen Ende ist nett und weil ich wahrscheinlich ziemlich erbärmlich klinge, fragt sie mich dreimal ob ich sicher bin, dass ich das tun möchte. Ich bejahe es jedesmal. Ja, ich möchte meine Nummer wechseln und ich weiss, dass das endgültig ist und das es schon innerhalb der nächsten 20 Minuten umgestellt wird.

20 Minuten später habe ich eine neue Nummer. Meine alte ist nicht mehr erreichbar. Ich bin nicht mehr erreichbar für Yaya.

Es geht mir nicht besser damit und ich fühle mich auch nicht stärker dadurch. Aber ich warte nicht mehr. Ich weiss, dass er mich nicht erreichen kann, egal wie. Manchmal frage ich mich, ob ich das überhaupt aushalte. Ob es ihm gut geht? Ob er vielleicht dringend etwas braucht und ich plötzlich nicht mehr antworte…aber dann denke ich an die 100mal in denen er einfach nicht geantwortet hat, obwohl ich die richtige Nummer habe, obwohl meine Nachrichten bei Fb gelesen und bei Skype übertragen wurden.

Ich wollte ihn in meinem Leben halten, als Freund, wenn schon nicht als Liebhaber. Aber es ist mir unmöglich, weil meine Gefühle zu stark sind und seine zu schwach – so kann man nicht befreundet sein, jedenfalls ich nicht…

Und jeden Tag hoffe ich doch insgeheim, dass er irgendetwas tut, irgendeinen Weg findet mich zu kontaktieren und das dann alles gut wird, wie im Märchen… Aber mir ist klar, dass das nicht passieren wird…

Ratschlag von Ninjaan an Ninjaan

Vermeide stundenlange Gespräche (egal wie groß deine Freude darüber ist, dass er sich jetzt schon seit Stunden für dich Zeit nimmt!) – denn zwangsläufig fallen in stundenlangen Gesprächen auch mal Sätze, die du lieber nicht gehört/gelesen hättest!

Erkärung:

Yaya: i had turkish girlfriend years ago , maybe thats why i have a trend to tyrkish music. Like ur trend to persian music. 😀 „

Nein, dass will ich nicht wissen – schon gar nicht wenn´s um SIE geht und warum ist sie plötzlich deine Exfreundin? Und jahrelang ist auch leicht übertrieben… Und überhaupt: SHUT UP!

An meiner Reaktion war aber abzulesen was ich davon halte und er lenkte ein, beschwichtigt mich – wow…ich hätte nicht damit gerechnet, ich sollte vielleicht öfter mal leicht „rumzicken“ ?! Aber mir soll´s recht sein „Exfreundin“ oder „Pseyudo Exfreundin“ solange da ein EX vorsteht, is es mir latte -LATTE!

(P.S. Rückkehr verschiebt sich übrigens um 4 Wochen…)

 

Warum denn nicht…?

Warum denn nicht ich?

Warum denn sie und nicht ich?

Weil ich nicht jeden Song liebe den du mir zeigst? Weil ich nicht jeden Film mag, den du gerne magst? Weil ich aufbrausend bin und nicht ruhig? Weil ich dir widerspreche, diskutiere? Weil ich meine eigene Meinung habe? Weil ich schweige? Weil meine Liebe leise ist und nicht laut?

Warum denn nicht ich?

Alles was wir gemeinsam haben, ist echt, nicht gespielt. Was ich liebe, liebte ich vor dir, was ich sage, sagte ich vor dir, was ich dachte, habe ich schon vor dir gedacht. Und wenn du mich für etwas begeistern konntest, dann weil es mich wirklich, aufrichtig begeistert hat, nicht weil ich dir einen Gefallen tun wollte. Ich bin wie ich bin, nicht um dir zu gefallen, sondern weil ich eben so bin. Und ich liebe nichts deinetwillen, ausser dich.

Warum denn sie und nicht ich?

Weil sie alles liebt, was du liebst? Weil ihr alles gefällt was du sagst? Weil sie sich in dir verliert, ihre Meinung die Deine ist? Weil sie dir applaudiert und ihre Liebe sowohl in den Tag als auch in die Nacht hinausruft? Weil sie alles tut, was du tust? Weil sie sogar Fußball auf der gleichen Seite wie du schaut – weil sie zu sein scheint wie du?

Doch würdest du das alles tun? Dich aufgeben und dich verlieren? Ist Liebe nur dann ehrlich, wenn sie zerstörerisch und blind, laut und von Liebesschwüren begleitet ist?

Warum denn nicht ich?

Ich sage dir Dinge, die du nicht hören willst. Ich reiche dir meine Hand. Ich bin für dich da, wenn es niemand sonst ist. Ich verzeihe dir, auch ohne eine Entschuldigung. Ich liebe dich leise, um die Festung, die du um dich aufgebaut hast, nicht ins Wanken zu bringen. Ich bin dir eine Freundin, ich bin da und bleibe es. Das macht Freunde aus, macht das nicht auch Liebe aus?

Warum dann sie und nicht ich?

Sie ist da, solange schon. Sie wartet, wenn du sie auf Eis legst und ist zurück, wenn du nach ihr rufst. Alles von ihr trägt deine Handschrift.

Ich dagegen bin gezeichnet von meinem Leben, ich bin nicht du. Aber ich sehe deinen Schmerz und du siehst den Meinen. Und manchmal tut es weh dich anzusehen, weil ich soviel mehr sehe als du glaubst.

Warum dann nicht ich?

Manchmal war die Nähe zwischen uns unerträglich, wir waren uns so nah, dass es schmerzte. Ich habe es gefühlt, ebenso wie du. Und einer von uns musste sich zurück ziehen, aufatmen. Ich lasse dich aufatmen, wann immer du es brauchst – weil ich dir nicht nur nah bin, sondern ähnlicher als man es auf den ersten Blick vermuten würde.

Warum dann sie und nicht ich?

Atme und lass mich atmen, aber lass mich nicht zurück. Wende dich doch nicht ab von mir und geh zurück zu ihr. Warum denn auch? Weil es leichter ist? Weil sie besser ist? Was macht es dir denn so viel leichter, was macht sie denn soviel besser?

Gespielt hast du, immer, sagst du. Gespielt, weil man es von dir erwartet hat, nur geliebt hast du nie. Mir sagst du das, ich verurteile dich nicht dafür. Mir spielst du nichts vor, wir waren ehrlich, manchmal zu ehrlich. Ist dir das Ehrlich sein so viel schwerer als das Vorspielen?

Warum denn nicht ich?

Ich spiele für dich, die Freundin, die Sorglose. Nur manchmal überkommt es mich – so selten. Ist dir das schon zuviel? Warum ist es dir bei mir zuviel?

Warum denn sie und nicht ich, Yaya?

Sag mir nur einmal warum? Weil ich es nicht verstehe und weil es wie eine Last auf mir liegt, weil es mich zerfrisst, weil es mich zweifeln lässt, an mir, an meinem Verstand und meinem Herzen…warum denn nicht ich?

(Vorgezogene) Retrospektive September 2011

Ich überspringe in meiner Erzählung  nun einen Teil, den vielleicht wichtigsten Teil. Die Beschreibung des Moments, als sich meine Kälte in etwas verwandelte, das Andere vielleicht leichthin „Liebe“ nennen würden, ich aber lieber nur „das Gefühl“. Ich bin nicht in der Lage darüber zu schreiben, nicht jetzt, nicht heute und nicht morgen, aber irgendwann. Weil ich den „Tag des Vergessens“ eingeläutet habe. Weil ich beginnen will, dieses „Gefühl“ los zu werden – das geht nur, wenn ich mich nicht an den Anfang erinnere, sondern nur, wenn ich mich an all das erinnere, was uns dorthin geführt hat, wo wir jetzt stehen – am Ende des Weges, unseres Weges.

Erinnerst du dich, Yaya? Als ich Abstand wollte? Als ich mich von dir zurückzog? Als ich dir sagte, wir könnten uns die nächsten Wochen nicht sehen? Du warst verwundert, dachtest ich könnte denken, du hättest ein rein „körperliches“ Interesse an mir. Wie sehr schienst du darum bemüht mir das Gegenteil zu beweisen! Du hast es mir damit so unendlich schwer gemacht, so unendlich schwer mir selbst zu glauben. Ich habe gekämpft, mit aller Kraft, gegen dieses Gefühl, gegen die Erinnerung an deinen Duft, ich war bereit alles zu tun, nur damit es nicht überhand nimmt, um nicht zu zerstören was wir hatten – weil doch alles gut war, zu gut vielleicht?

Deine Worte waren sanft, deine Bemühungen zaghaft, ich stemmte mich dagegen, als würde meine letzte Bastion zu fallen drohen. ich war verletzend, abweisend und konnte doch nicht von dir lassen, wie verwirrend war mein Verhalten für dich? Hast du es geahnt? Hättest du getan, was du getan hast, wenn du es geahnt hättest – oder hast du es gerade deswegen getan?

Ich wollte dich von mir stoßen, mal vorsichtig, mal mit aller Gewalt, ich wollte Distanz. Ich glaubte, es wäre so leichter für mich, ich rechnete mit vielem, mit fast allem, mit deiner Wut, deiner Ignoranz, deiner Abweisung, nichts geschah. Ich war kurz davor aufzugeben, einzusehen, dass ich nicht aufhalten kann, was unlängst begonnen hatte. Du warst im Ausland, ein Kurzurlaub, 10 Tage sagtest du. 10 Tage für dich, eine Ewigkeit für mich. Du meldest dich nur kurz nach der Ankunft, ein einziges Mal zwischendurch, weil du glaubst ich hätte jemand Anderen kennengelernt, ein Missverständnis, ich sehe in deiner Reaktion so etwas wie Eifersucht und beginne zu hoffen – auf mehr, auf alles was gar nicht sein sollte.

Das Mißverständniss belastet auch nach deiner Rückkehr unseren Kontakt, ich bin blind, immer noch hänge ich dem Glauben an, es wäre Eifersucht, du hast es nie dementiert. Dann jedoch, geschieht etwas mit dem ich nicht gerechnet habe, ich werde einer Sache gewahr, die ich niemals vorher beachtet habe. Unser Kontakt war so eng, so intensiv, warum hätte ich jemals auf etwas anderes achten sollen, als auf das, was du mir sagst, mir erzählst? Ich hatte nie einen Grund! Wie so oft im Leben, wird auch mir die hässliche Wahrheit auf einem Silbertablett serviert. Das Silbertablett ist ein „social network“ und die hässliche Wahrheit? Das ist SIE . 

Sie, die gar nicht hässlich ist, die mir nie vorher aufgefallen ist, weil ich dir einfach nicht „nachspioniert“ habe. Sie ist plötzlich da, kommentiert ein Foto von dir von deiner Reise, stolz, sie hat es geschossen. Ich kann es nicht fassen, bin wie gelähmt und reagiere nicht auf deine Nachrichten, drei Tage lang. Ich muss nachdenken, meine Gefühle sortieren, den Schmerz loswerden, irgendwie! Dann der nächste Schock, sie teilt ein Video auf deiner Seite, ein altes, glückliches Ehepaar, mit dem Kommentar dazu, dass sie hoffe, ihr könntet auch einmal so sein, er würde morgens genauso „gähnen“ wie du und sie wisse, dass sie ihr Temperament zügeln müsse.

Immer und immer wieder lese ich ihre Worte, dann packt mich der Wahn, der „Stalkerwahn“, ich durchforste deine Bilder, deine Pinnwand, überall ist SIE! Warum ist sie mir nie aufgefallen? Wie konnte ich das übersehen? Sie schreibt dir Liebesschwüre, Komplimente wo man nur hinsieht – du lässt sie immer unkommentiert.

Daraufhin reden wir viel, das haben wir immer getan, wir diskutieren, werfen mit Worten und Moral um uns, als gäbe es sie im Duzend billiger – aber wir klären niemals wirklich, was geklärt werden muss. Unsere Sprache ist blumig, wir umschreiben, beschreiben, verurteilen, verletzen und vergeben, aber niemals sprechen wir etwas direkt an. Das war schon immer unser Fehler. Diesmal kämpfst du, darum dass es nicht endet, dass unser Kontakt nicht abbricht, obwohl wir keine weiteren Treffen planen – ging es dir wirklich um Freundschaft, um mich? Ich werde es nie erfahren.

Sie war lange vor mir da, sie ist irgendwann gegangen und doch bleibt sie präsent und wahrscheinlich wird sie das noch lange sein – sie ist eine Kämpferin – ich bin es nicht. Ich kündige unsere Verbindung im „Social Network“ auf – weil ich nichts mehr sehen will, nicht stalken will, nicht leiden will. Wenn ich ehrlich bin, weil ich vergessen will, weil ich an dir hänge, weil ich dich brauchte, Yaya. Ich verdränge, ignoriere und am Schlimmsten, ich weigere mich zusehen, dass dieser Bruch, den Anfang vom Ende bedeutete, alles was danach geschah, war niemals so frei und unbeschwert.

Ich erinnere mich an deine Worte, nach meinem dramatischen Vorwurf “ the only bound between u and me is sex – after that, nothing will remain!“ , du sagtest: “ That´s not true! Ninjaan, if u think if we have no sex nothign remains, ok we wont have anymore  and u see that if i accept someone as a friend i can behave like that…i like you! you are a very kind girl , really different from others, honestly! i respect u and u shouldnt see my behaviour as a bad thing! if u know how i am normally, u will know!  but i have contact with u more than my own friends some times! i dont write with any body else, is that hard for me t write? its not a good discussion really, i never like to be in this situation…“

Was ist uns nun geblieben, Yaya? Nach 4 Monaten ohne Treffen, nach nahezu 5 Monaten ohne Sex, weil die letzten Treffen so schwermütig, so traurig waren? Was uns bleibt, ist immer weniger – ich bin nicht sie, ich bin keine Kämpferin. Wenn ich gehe, schaue ich nie zurück – ich bin kurz davor zu gehen.

Die Gewissheit kommt zum Schluß

Ninjaan ist müde, ganz müde. Allein zuhaus, das Telefon ist stumm. B. meldet sich seit gestern nicht, nachdem er Selbstvorwürfe hatte, dass er nicht „gut genug“ für mich sei, mich nie wieder enttäuschen wolle. Enttäuschend ist das jetzt gerade, aber was will ich eigentlich?

Ich sitze vor dem Pc, lese etwas und höre Musik. Yaya schreibt mich an, wir sprechen etwas, irgendwann frage ich ihn nach der Moral, das Thema, das mich zur Zeit am Meisten beschäftigt. Als Beispiel ziehen wir einen seinen Lieblingsfilme heran „Die Brücken am Fluß“ (wie passend..). Wir philosphieren, über gut und böse, richtig und falsch.  Er sagt, er würde so etwas niemals tun (Stichwort Film) und dann… Dann sagt er etwas, dass ich niemals wissen wollte, nachdem ich niemals direkt gefragt habe. Vielleicht, weil ich ahnte es würde weh tun.

„i didnt acepted a long distance relationship becasue of that otherwise i trusted the other person more than my eyes..
i may hurted her but i didnt wanna do sth that i may do sth wrong“

Die „Fernbeziehung“ die er nicht einging, die Person, der er mehr vertraute als seinen eigenen Augen…das ist nicht Ninjaan…das ist SIE.

Ich breche in Tränen aus, ich weine um mich selbst. Die ewig Nr. 2 …ich wollte diese Gewissheit niemals haben, jetzt habe ich sie. Wozu noch? Es ist fast vorbei, nein, eigentlich ist es vorbei. Schluß.

Yaya und Ninjaan…gibt es nicht. Hat es niemals gegeben. Mehr als Warten und die Hoffnung, verabscheue ich nun die Gewissheit.

„Was du nicht willst,das man dir tu…

…das füg auch keinem andern zu.“

Mit dieser goldenen Regel bin ich groß geworden. Seit ich denken kann haben meine Eltern, Großeltern und alle anderen Menschen um mich herum, mir diesen Satz gepredigt. Ich halte ihn für gut, für richtig, was gibt es bei dieser einfachen Regel auch zu hinterfragen? Immer habe ich versucht danach zu leben. Ich bin sicherlich keine Heilige, dass bin ich nie gewesen, aber ein Mindestmaß an Empathie, Rücksicht und Taktgefühl erwarte ich von mir selbst und von Menschen mit denen ich mich umgebe.

Ich möchte, und wollte niemals, jemanden absichtlich verletzen, wenn ich etwas hartes sage, dann weil ich es empfinde und nicht um jemanden damit zu treffen. Wenn ich etwas tue, denke ich darüber nach, ob meine Tat jemand anderem Schaden könnte, sollte dies so sein, halte ich mich in 90% der Fälle wirklich zurück. Dann beisse ich mir schon mal auf die Zunge oder stecke zurück. Ich bin temperamentvoll, aber nicht bösartig, launisch aber nicht zickig, ich schlage zurück (metaphorisch natürlich), aber niemals unter die Gürtellinie.

Genug des Selbstlobes, auf das ich eigentlich gar nicht hinaus wollte.

Ich bin nicht das erste Mal in einer Situation in der ich meine eigene Moral infrage Stelle, aber das erste Mal, dass ich sie bewusst (!) gebrochen habe. Ich habe einen verheirateten Mann geküsst, nicht nur einmal. Ich telefoniere mit ihm, ich sehe ihn, ich will ihn umarmen, ihn riechen, in seiner Nähe sein. Zu meiner Verteidigung kann ich nicht sagen, dass ich nicht gewusst habe, dass er verheiratet ist. Ich wusste/weiß es, seit dem Tag als er vor 4,5 Jahren geheiratet hat. Damals war ich stark genug, den Kontakt gänzlich abzubrechen. Heute, nachdem wir uns vor knapp einer Woche das erste Mal seit Ewigkeiten wiedergesehen haben, bin ich es nicht. Im Gegenteil, ich bin schwach – wobei vielleicht diese Schwäche auch eine eingebildete ist, eine Ausrede?

Wie ein kleines Kind habe ich mir die ersten Tage eingeredet, dass es etwas anderes ist, anders als bei anderen, er ist mein Exfreund, ich war mit ihm zusammen, bis er von seiner Familie vor die Wahl gestellt wurde und zur Heirat „gedrängt“ wurde, ich war vorher da. In besonders trotzigen Momenten schreit das Kleinkind in mir, wie nach einem längst verschenktem Spielzeug: „DAS IST MEINS!“. Ich erschrecke mich vor mir selbst.

Solidarität! Wie hoch halte ich sie immer, Solidarität, anderen Frauen gegenüber, allgemein Menschen gegenüber. Ich höre mich noch selbstgefällig über die Solidarität schwadronieren:“ Wenn alle Rücksicht aufeinander nehmen würden, wenn alle solidarisch wären und die Finger von „Vergebenen“ lassen würden – dann hätten Fremdgeher keine Chance!“

Ha! Gut gebrüllt Löwe! Es ist ja so einfach über andere zu urteilen, solange man nicht selbst in der Situation ist!  – Nein, nein, ich war schon mal in der Situation! Ich bin stark geblieben – oh wie anständig, prinzipientreu und „gut“ ich doch war! Ich bin, jedenfalls soweit es mir bekannt ist, nie betrogen worden. Aus mir spricht/sprach also kein gekränktes Ego sondern die bloße Selbstgerechtigkeit!

WAR! Vergangenheit. Ich habe meine eigenen Grundregeln über Bord geworfen, meiner Moral den Rücken gekehrt. Noch nicht ganz, noch drehe ich mich bei jedem Schritt nach ihr um, sehe sie an und spüre ihren vorwurfsvollen Blick, der mich, selbst wenn ich ihr den Rücken zukehre, zu durchbohren scheint.

Erwachsen sein. Das sollte ich, verantwortungsvoll handeln. Was ich nicht will, dass man mir tu… Warum tue ich es dann ihr an? Was kann sie dafür? Sie hat ihn sicher genauso ungerne geheiratet wie er sie, mit dem Unterschied, dass sie nun zuhause sitzt und auf das gemeinsame Kind Acht gibt (KIND! Ja, genau, sie haben sogar ein Kind. Damit sinke ich noch ein wenig mehr…). Sie hat keine Wahl, ich schon. Ich kann es lassen. Ich lass es aber nicht, jedenfalls gerade nicht und erwachsen bin ich auch nicht. Wie ein Teenager in seiner schlimmsten „ICH“ Phase, treffe ich mich mit ihm, irgendwo, letztens sogar auf der Arbeit bevor alle da sind. Wir küssen uns heimlich, berühren uns. Es ist nur Küssen – nette Ausrede oder?

„Aber ich bin gerade so verletzt… Yaya…er ist einfach weg. Hat uns verlassen, im Regen stehen lassen. Er war böse zu uns, er hat ganz gemeine Sachen gesagt! Und B., er ist so anders. Er streichelt uns, ist liebevoll, fürsorglich. Weisst du noch wie er damals war? Schau mal, er ist genauso zu uns!“ schluchzt mir mein Ego leise ins Ohr. „Halt die Klappe EGO!“

Moral…

Komm zurück Moral, halt mich fest, pack mich an den Schultern, hau mir von mir aus eine runter – aber mach irgendwas! Dein strafender Blick reicht nicht aus, deine bloße Anwesenheit schon längst nicht mehr! Ich muss aufhören. Jetzt! Sofort! Was ist los mit mir? Ich bin nur schwach gerade…Schwäche…ganz miese Ausrede. Man ist nur schwach, wenn man es sich selbst erlaubt!

 

 

Stalken macht unglücklich…

Mehr als 7 Tage keine Konversation – mit jedem Tag wird es schwerer für mich.

Ich erzähle dir nicht, wie beschissen meine Woche war, ich fachsimple nicht mit dir über den Song von Shahin Najafi und nicht über das Schicksal der Palästinenser im Hungerstreik, ich erzähle dir nicht wie ätzend dieser Montag war und auch nicht, dass ich zwei neue Bewerbungen losschicken werde. Du erzählst mir auch nichts, nichts von deinem beschxxx Chef, von der langweiligen Stadt, von deinen neusten Songideen, nichts von deinem alltäglichen Chaos und nichts davon wie einsam du dich fühlst – vielleicht weil du es gerade nicht bist?

Ich habe dir die Freundschaft auf FB noch nicht gekündigt, das ist so endgültig, ich bin nicht bereit dafür, ich habe nur die „Abonnement Funktion“ abgestellt – jetzt sehe ich wenigstens nichts auf meiner Startseite. Das hilft ein wenig, aber nicht genug. Eben war ich auf deiner Seite – Sie hat alle deinen letzten Posts „geliked“ – sie ist immer noch da. Ich bewundere heimlich ihre Ausdauer.

Sprichst du jetzt (wieder?) mit ihr über all diese Dinge? Mit wem sonst, wenn nicht mit mir? Gibt es noch Andere? Ich mag nicht dran denken, ausserdem ist Sie schon wieder so präsent, dass ich es mir auch nicht wirklich vorstellen kann.

Ich bin eifersüchtig, traurig, verzweifelt und ich fühle mich mies, wie eine miese kleine Stalkerin – ätzend.