Ninjaan´s Song!

Jaaa! Ich habe einen Song, einen Ninja Song! Nein, den hat keiner für mich geschrieben – obwohl ich könnte Yaya ja mal drum bitten -.-  Aber das wäre ihm wahrscheinlich nicht „serious“ genug. Und weil, egal was er da schreiben und rappen würde, es eh nicht besser klingen könnte als dieser Song hier, bin ich auch so ganz zufrieden.

Hier ist mein Ninjaan Song:

Classified: Inner Ninja

(Fast) alles wie immer

Es war 2 Tage nach meiner OP. Ich lag im Bett und war benebelt von den Tramal. ( Benebelt ist gut, man könnte auch sagen ich war ziemlich high.) Gelangweilt drehte ich  mich von einer Seite auf die andere, suchte die beste Position für mein Bein, um endlich ein wenig schlafen zu können, als sich plötzlich mein Handy meldete. Eine whatsapp Nachricht. Yaya schickt mir eine Audio Datei. Mein Internet ist relativ langsam, die Übertragung dauert. Ja, Yaya hat seit neustem Whatsapp. Und ihr könnt euch nicht vorstellen WIE dankbar ich bin, dass er es damals nicht hatte! Was für ein Albtraum wäre das gewesen! Ich wäre sicherlich von einer harmlosen „Fb Stalkerin“ zu einer waschechten „ich checke jede Sekunde ob du online bist-Stalkerin“ geworden.

Ich muss lächeln. Es ist so befreiend, dass das alles ein Ende gefunden hat. Immer noch ein so unglaubliches Geschenk, jemanden wie Amin gefunden zu haben, bei dem ich ohne Zweifel und Ängste sein kann.

Die Übertragung ist beendet. Da er mir das Lied bei whatsapp schickt und nicht bei Dropbox (eigentlich ja nun unser Medium, über das wir uns hin und wieder, eher kommentarlos, im stillen Einverständnis, Songs und Filme schicken, die wir besonders mögen), gehe ich davon aus, dass es eines seiner neuen Demos sein muss. Ich starte den Song. Nach wenigen Sekunden beginnt eine Frau zu singen. Haben sie jetzt eine Sängerin? Wow! Die ist aber gut!

Spätestens nach einer Minute ist klar: Das ist kein Demo und sie haben keine so tolle Sängerin, das ist einfach ein Song. Er ist schön, aber auch etwas schwermütig. Oben in der Whatsapp Leiste sehe ich, dass er ununterbrochen online ist. Irgendwie fühle ich mich genötigt zu antworten, das Problem haben wir bei dropbox sonst nicht. Ich bin aber etwas verunsichert. Das Lied ist so…ach was rede ich eigentlich drum herum: Es ist ein Liebeslied.

Vor wenigen Monaten noch hätte mir ein solcher Song ein Bad der Gefühle beschert. Jetzt frage ich mich einfach nur, ob es ihm gut geht. Aber auch das will ich nicht schreiben. Was für eine komische Reaktion wäre das auch, auf einen einfach Song mit der Frage „Gehts dir gut?“ zu antworten. Also schreibe ich, vorsichtig:

Wow, Yaya. Ein sehr schönes Lied.“

„Ja, nicht wahr Ninjaan?“

„Ja, total! Hast du meine Lieder bei Dropbox schon gehört?“ (Ich hatte ihm 2 Wochen zuvor ein Rap Lied geschickt)

Nein! Wann hast du das in den Ordner gemacht?“

“ Vor 2 Wochen oder so?“ 

“ Achsoo! Cool! Danke!“

Dann fällt mir ein, dass vor wenigen Tagen Wahlen im Iran waren und weil wir ewig nicht über Politik geredet haben und ich so „tramalisiert“ im Bett rumliege, frage ich ihn danach.

Hast du gewählt Yaya?“ 

„Nochmal Wart.“

„Warte?“ ( ja, jaa ich bin etwas verpeilt…)

10 Minuten kommt gar nichts. Ich habe das Handy schon zur Seite gelegt und versuche einzuschlafen, als es wieder vibriert.

WTF is going on with u Ninja!!!“ 

Hö? Ich wollte ja eigentlich dito schreiben. Aber plötzlich muss ich lachen. So richtig, dass mir der Bauch weh tut. Da ist er wieder, darf ich vorstellen „grumpy Yaya“ . Mehr oder weniger ohne Zusammenhang taucht er auf, aus dem Nichts und knallt dir irgendwas vor den Latz, weil er gerne etwas streiten möchte. Hätte ich mir eigentlich auch denken können, wenn er mir solche Lieder, was auf eine „komische“ Stimmung hindeuten sollte, schickt. Ich antworte nicht. Wozu auch. Er kommt schon alleine wieder runter. Und wenn wir uns das nächste Mal schreiben oder etwas schicken, hat er es eh wieder vergessen – wie immer.

Ja, vor wenigen Monaten hätte ich geglaubt, dass der Song den er mir schickt eine Bedeutung hat und ich wäre auf sein „WTF“ eingegangen und wir hätten uns wahrscheinlich gehörig angefaucht. Heute berührt es mich nicht. So ist er nun mal. Von mir aus kann er so bleiben, er ist nicht der Mann den ich an meiner Seite haben will und deshalb darf er ruhig auch mal rumzicken, wie so manch eine meiner Freundinnen – aber er kriegt dann auch dieselbe Reaktion: Desinteresse. Ich warte einfach bis der Sturm sich legt.

2 Minuten später bekomme ich eine Nachricht von Amin:

“ Wie geht es dir Ninjaani? Wie sind die Schmerzen? Es tut mir so leid, dass ich nicht bei dir sein kann. Ich rufe dich gleich nach der Arbeit an!“

Ich lächel wieder, diesmal weil mir ganz warm ums Herz wird. Was für ein Glück ich doch habe. Ich hoffe Yaya wird so etwas eines Tages auch mal haben können.

Trotzdem will ich euch den Song nicht vorenthalten, denn eigentlich ist er wirklich schön:

 

Was wirklich noch geschah / VII

Liebe ist kein Solo. Liebe ist ein Duett. Schwindet sie bei einem, verstummt das Lied.

(Adelbert von Chamisso)

Ein beschissener Tag, Ninjaan ist müde, alles geht schief, einfach alles. Sie verlässt das Haus wenn es noch dunkel ist und kommt zurück, wenn es schon längst wieder dunkel geworden ist. Alles dunkel.

Sie sitzt im Auto, neben ihrer Mutter, beschwert sich, ist müde und angespannt. Das Handy vibriert, blödes Software Update, alles wird plötzlich angezeigt, löst einen Alarm aus – Ninjaan möchte gerne ihr Handy ausmachen, will keine Emails lesen, keine Nachrichten bei FB, keine Sms und alles andere auch nicht. Doch, wie auch sonst, kramt sie ihr Handy aus der Tasche, streicht über das Display und sieht – sieht Yayas Bild. Eine neue Nachricht, Yaya schickt ihr einen Link.

Blödes mobiles Internet, der Link lässt sich nicht öffnen, nicht jetzt, nicht hier im Auto. Ninjaans Mutter lächelt, weil Ninjaans Wangen glühen. Sie sagt nichts und weiß doch soviel mehr.

Zuhause ist das Internet nicht viel schneller, jedenfalls nicht heute. Gebannt starrt sie auf das neue Fenster, das nur zögerlich lädt. Ist es ein Film? Ein Lied? Hat er schon ein neues Lied aufgenommen, ohne sie, ohne Ninjaan?

Die ersten Töne erklingen, das Video lädt. Es ist der Song, der Song den Ninjaan vor wenigen Tagen auf ihrem Profil gepostet hat, den sie ausgewählt hatte, „this is a song for you“…

Vielleicht ist es nichts, vielleicht ist es alles, vielleicht mehr, vielleicht weniger.

Zufall, vorhersehbar, nichtssagend?

Who cares if:

Was wirklich noch geschah / VI

„Die Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“ (Viktor Hugo)

Es ist ein neues Lied, FB zeigt es auf der Startseite an. Es ist nicht das erste Lied heute, nicht das Letzte. Kein Freund teilt es, sondern ein Internetradiosender.

Und doch, ist das Lied besonders für sie. Weil dieser Interpret besonders ist, weil der Song genau ihr Geschmack ist, ihr Geschmack und auch seiner, das hört sie schon nach den ersten Sekunden. Selten postet sie solche Songs, ihre Freunde kennen diese Musik nicht, hören sie nicht, verstehen sie nicht und vorallem, fühlen sie nicht. Ninjaan fühlt sie, Yaya hat ihr gezeigt wie man sie fühlt, Musik allgemein fühlt. Und sie liebt es Musik fühlen zu können.

Kurzerhand postet sie den Song auf ihrere Fb Seite, für Freunde natürlich nur. Niemand wird „gefällt mir“ drücken, weil niemand diese Musik hört und erst recht nicht fühlt und weil der Einzige der sie fühlt nicht sehen kann, dass Ninjaan es teilt – wobei, ja, wobei sie es doch so gerne mit ihm teilen würde.

 

Der lange Abschied Teil II

Vor zwei Wochen bin ich an einem Sonntag Morgen wieder in Köln gelandet.

Ich hatte vor noch einige Tage in der Nähe von Köln bei meinem Vater zu bleiben, ich war viel zu selten dort und ich spürte wie er sich freute. Schon am selben Nachmittag zeigte ich ihm alle meine Fotos (immerhin weit über 500 Stück), naja, fast alle. Die Fotos aus der Westbank befanden sich bei Yaya. Und weil ich eigentlich, abgesehen von meiner Sehnsucht nach Jerusalem, guter Dinge war, schrieb ich Yaya eine Sms. Wie es ihm gehe, ob er schon aus dem Süden zurück sei und das ich wieder im kalten Deutschland bin und mich freuen würde, wenn er die Fotos wieder in unseren Dropbox Ordner laden könne, sobald er Zeit dazu habe. Im Haus meines Vater habe ich kaum Empfang und so verschwand ich ständig auf die Terasse, um zu schauen, ob ich schon eine Antwort bekommen habe.

Nun ja, was soll ich sagen? Ich bekam keine. Obwohl Yaya einen Vertrag hat. Am späten Abend zeigte mir mein Dropbox Ordner an, dass Yaya alle Dateien hochgeladen hatte – ohne ein Wort. Zwei Tage später fuhr ich nach Hause zurück und entdeckte Abends, dass Yaya mir am Sonntag Abend bei Skype geschrieben hatte „Welcome to Iceland!“ – Keine Antwort auf meine Fragen, kein Erkundigen nach meinem Wohlbefinden. Das saß. Ich schwieg weiterhin, auch als er mir noch am selben Abend zwei Filme über Dropbox schickte – ich bin nicht wild darauf irgendwas zu bekommen, alles was ich will ist ein Gespräch, aber genau das bekomme ich nicht. Was für Freunde sind wir eigentlich?

Am nächsten Tag hat er mir immer noch nichts geschrieben und ich tue wieder das, was man in solchen Fällen nicht tun sollte, ich suche seine Seite bei Fb auf. Wir sind zwar keine Freunde mehr, aber einiges ist für mich dennoch sichtbar. Ich sehe, dass er den Song meiner Jugendlichen geteilt hat und freue mich. Hätte ich es nur dabei belassen! Ich jedoch scrolle etwas weiter hinunter und sehe, dass er 2 Tage zuvor, einen Song von Fettes Brot gepostet hat „Ich lass dich nicht los“, mit einem kurzen Kommentar, der zwar niemanden direkt anspricht, aber erkennen lässt, dass er diesen Song jemandem widmet. Der Song hat ein“ Gefällt mir“ und einen Kommentar – von IHR!

Ich würde gerne weinen, schreien, irgendwo gegen schlagen – aber nichts davon geht mehr. Es ist einfach zu viel. Wenn sie so wichtig ist, warum hast du mich dann in deinem Leben gehalten? Bin ich nichts anderes als dein blödes „rebound girl“?

Als Kurzschlußreaktion blocke ich ihn, bei FB und bei Skype. Ich will nichts mehr sehen und nichts mehr von ihm hören. Ein paar Tage scheint das zu reichen, ich fühle mich nicht wirklich besser, aber etwas stärker, nicht mehr ganz so hilflos.

Nach wenigen Tagen erhalte ich plötzlich eine Sms (!):

I am in Hamburg ninja, I stay here with my cousin. I dont have internet. Don´t get angry if I dont write! The video of ur kids is awesome! U did a great job!

Er hat also kein Internet, dabei könnte ich schwören sein „Dont get angry with me if I dont write“ ist das Resultat davon, dass er bemerkt hat, dass ich ihn geblockt habe. Das Video hat er vor Tagen gesehen, er hätte mir schon vorher etwas dazu schreiben können – als er noch Internet hatte! Warum also jetzt? Ich grübel lange nach und entschließe mich dann ihm zu antworten. Nicht weil ich mein Vorhaben, keinen Kontakt mehr mit ihm zu haben, brechen will, sondern weil ich der Meinung war, er würde mir wieder schreiben, sollte ich nicht antworten.

Everything is fine Yaya (Ich habe seinen richtigen Namen geschrieben, keinen Kosenamen, womit ich Distanz zeigen wollte…). I am glad to hear u liked the video. Enjoy Hamburg.

Kurz und höflich ohne eine Antwort zu erwarten. Ich hoffte das würde erst einmal reichen. Es reichte aber nicht, denn am nächsten Tag erhielt ich erneut eine Sms von ihm. Deren Inhalt  so bescheuert war, dass ich bis heute nicht weiß, was er sich dabei gedacht hat, aber seht selbst:

Yes it is a master piece! Ninjaan, I want to write a note to our neighbour, I want to use his internet for some time, can u write it for me pls?

Ich erhalte diese Sms 2 Stunden später, da mein Handy während eines Treffens mit der Volksbank ausgegangen war und starrte nun ungläubig auf seine Worte. Ich soll ihm einen Satz schreiben? Der Mann hat seine Masterarbeit auf Deutsch geschrieben und jetzt kann er nicht mehr so einen Satz schreiben? Ich hatte ihm schon einmal bei formellen Schreiben geholfen oder seine Bewerbung überarbeitet – aber so einen Satz? Für eine Sekunde bin ich versucht ihn anzurufen, um ihn zu fragen, ob das ein Witz sein soll. Ich tue es aber nicht und schreibe ihm irritiert einen Satz mit der Frage, ob er so etwas meinen würde?

Und dann? Dann bekomme ich keine Antwort mehr. Kein Danke, keine Erkärung, nichts. Nichts an diesem Tag und nichts am nächsten Tag. Und wieder sitze ich, immer ein Auge auf dem Handy da und warte und warte. Und ich hasse warten und mit jeder Stunde die ich auf eine Antwort warte, geht es mir mieser.

Letzten Donnerstag morgen fasse ich dann den etnscheidenden Entschluß, wenn ich ihn schon überall geblockt habe, dann sollte ich auch konsequent sein. Ich kann ihm schlecht verbieten mir Sms zu schreiben – aber ich kann es unmöglich machen. Ich rufe bei der O2 Servicehotline an und bitte um eine neue Nummer. Die Frau am anderen Ende ist nett und weil ich wahrscheinlich ziemlich erbärmlich klinge, fragt sie mich dreimal ob ich sicher bin, dass ich das tun möchte. Ich bejahe es jedesmal. Ja, ich möchte meine Nummer wechseln und ich weiss, dass das endgültig ist und das es schon innerhalb der nächsten 20 Minuten umgestellt wird.

20 Minuten später habe ich eine neue Nummer. Meine alte ist nicht mehr erreichbar. Ich bin nicht mehr erreichbar für Yaya.

Es geht mir nicht besser damit und ich fühle mich auch nicht stärker dadurch. Aber ich warte nicht mehr. Ich weiss, dass er mich nicht erreichen kann, egal wie. Manchmal frage ich mich, ob ich das überhaupt aushalte. Ob es ihm gut geht? Ob er vielleicht dringend etwas braucht und ich plötzlich nicht mehr antworte…aber dann denke ich an die 100mal in denen er einfach nicht geantwortet hat, obwohl ich die richtige Nummer habe, obwohl meine Nachrichten bei Fb gelesen und bei Skype übertragen wurden.

Ich wollte ihn in meinem Leben halten, als Freund, wenn schon nicht als Liebhaber. Aber es ist mir unmöglich, weil meine Gefühle zu stark sind und seine zu schwach – so kann man nicht befreundet sein, jedenfalls ich nicht…

Und jeden Tag hoffe ich doch insgeheim, dass er irgendetwas tut, irgendeinen Weg findet mich zu kontaktieren und das dann alles gut wird, wie im Märchen… Aber mir ist klar, dass das nicht passieren wird…

Wenn ich schreibe

Die letzten Tage war mir eher weniger danach etwas zu schreiben, noch viel weniger war mir danach irgendetwas über ihn zu schreiben. Warum? Hat er vielleicht nicht auf meine Anfrage (wegen der erneuten Quittung) reagiert? War er unzuverlässig und hat sie mir bis heute nicht zugeschickt? – Nein, nichts davon. Er hat sofort reagiert, als ich ihn Mittwochabend angeschrieben hatte und er hat mir die Bestätigung auch gleich am Freitag Morgen aus einem Internetcafé zugesandt, dort gewartet bis ich mein ok gebe und er ruhigen Gewissen wieder nach Hause oder sonst wohin gehen kann.

Und genau hier liegt das Problem! Er machst es (anscheinend) um sein Gewissen zu beruhigen. „Oh! Ninjaan schreibt mich an? Na dann antworte ich ihr mal kurz, mal sehen was los ist! Oh! Ninjaan braucht etwas dringend von mir? Na, dann will ich mal kein Arschloch sein und das für sie machen.“  

Ist das jetzt alles?

„ok ill go home we can talk later“ – So oder so ähnlich hat er sich immer verabschiedet, normalerweise hieß das soviel wie “ kaum ist ninjaan am Pc (manchmal musste ich das auch gar nicht sein) und schon hatte sie wieder eine Nachricht von ihm. Jetzt ist es auf einmal nur noch eine Floskel, die soviel heisst wie „Wenn´s was gibt, kannste dich ja melden.“  Seit wann muss es einen besonderen Anlaß geben damit wir reden?

Diese Gleichgültigkeit verletzt mich, zutiefst. Hätte er sie an den Tag gelegt, als er ging, 500km weit fort. Als klar war, dass unsere „Affaire“ (ich glaube so nenne ich es zum ersten Mal…) auf körperlicher Ebene nicht mehr wirklich laufen wird, dann hätte ich es verstanden. Dann hätte ich Recht gehabt, damals als ich wütend sagte „the only bound between u and me is sex!“ – aber es ist bald 6 Monate her, unser Kontakt brach nicht ab, er war intensiv und freundschaftlich. Vor ungefähr 7 Wochen habe ich sie ihm gestanden, meine Gefühle. Ich befürchtete damals es könnte das, was uns noch geblieben ist völlig zerstören. Aber er war es, der die Zeit danach alles normal weiterlaufen ließ. Wir sprachen, stritten, lachten, alles wie immer. Und jetzt? Seit ich in Hamburg war, der Bruch, der endgültige. Nein, Bruch ist das falsche Wort, ein Bruch ist kurz und „schmerzlos“, dass hier zieht sich wie ein Kaugummi…

Gestern, bevor ich mit meiner Freundin ausgehen wollte, hat mich mal wieder der Stalkerwahn überkommen.

Er postete einen Tag zuvor, dass innerhalb der nächsten 48 Stunden sein neues Feature rauskommen wird. Er schreibt nicht auf Deutsch oder Englisch, aber meine Sprachkenntnisse reichen für solche kurzen Sätze locker aus. Seinen Part dieses Songs, hatten wir gemeinsam aufgenommen, nächtelang saßen wir im Studio, Yaya der Künstler und ninjaan die unmusikalische, aber Musikliebende.

Einmal schickten ihm die anderen Musiker seinen Part zurück, mit der Anmerkung, er wäre nicht wirklich im Takt – für einen egozentrischen Künstler wie ihn ein Schlag unter die Gürtellinie. Wir saßen vor dem Pc und spielten die Stelle immer und immer wieder ab „I don´t know what to change…fuck!“ . Ich wollte erst nichts sagen, dass ist nicht meine Muttersprache und musikalisch bin ich auch nicht wirklich. Aber nach dem xten Mal hören hatte ich tatsächlich eine Idee: “ Cancel the last sentence and just repeat the last two words of the sentence before instead.“ Er sah mich für einen Augenblick ungläubig an, spielte den Beat ab und probierte es aus. Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus „That´s good! Ninji, that´s really, really good!“  Es war nicht nur gut, es klang auch tatsächlich besser als vorher und diesmal wurde ihm nicht mangelndes Taktgefühl unterstellt.

Dieser Song kommt nun also raus, er kündigt es an, auf einer Sprache, bei der er sich nie sicher ist wie viel davon ich eigentlich verstehe – und sagt kein Wort zu mir.

Wie egal bin ich ihm jetzt geworden, dass er nicht mal bei der Veröffentlichung dieses Songs an mich denkt? Daran, wie wir bis es hell wurde im Studio saßen, Cola en masse tranken und Pommes in uns hineinstopften, als hätten wir zuvor Hochleistungssport betrieben.

Der Song heisst auf Deutsch übersetzt „Wenn ich schreibe…“ – Wenn ich schreibe Yaya, dann lasse ich meinem Schmerz freien Lauf, auch wenn dies ihn nicht zu lindern vermag

Ablenkung? Sorry, this content is not available in ur current situation!

Seit gestern Morgen bin ich aus Hamburg zurück, es waren erlebnisreiche, lustige, frustrierende Tage, alles zugleich. Wir waren von morgens bis abends auf Achse. Wie immer habe ich nur die eher „unschönen“ Gegenden von Hamburg zu sehen bekommen, wie immer habe ich festgestellt, dass ich einfach keine „Partygängerin“ mehr bin und wie immer wurde mir bewusst, dass  diese „Prollmänner“ (die mir dort immer unweigerlich über den Weg laufen???)  mir nicht nur zuwider sind, sondern mich noch viel mehr langweilen. Alles was Kat gefällt, ist für mich der reinste Spießroutenlauf, mein Lächeln ist meist so unecht, dass man es auf 200 m Entfernung eigentlich erkennen müsste.

Auf der Zugfahrt hatte ich das erleichternde Gefühl, alles was mich beschäftigt für diese wenigen Tage einfach zurück lassen zu können, abschalten, Spass haben (so gut ich es halt kann in Hamburg…), lachen, feiern, shoppen, nicht an Yaya denken, nicht an die Arbeit, nicht an all die anderen Sachen die mir sonst noch so durch den Kopf schwirren. Spass habe ich eigentlich immer mit Kat, alle anderen guten Vorsätze lösten sich leider relativ schnell in Luft auf. Ich könnte jetzt ins Detail gehen und wirklich (tragisch-)komische Geschichten von Zuhältern, wahnwitzigen Verkäuferinnen oder einem Club auf der Reeperbahn erzählen – aber es ist zuviel, mein Kopf zu voll und das was mich am Meisten beschäftigt ist natürlich: Er!

Er, weil er wusste das ich nach Hamburg fahren werde und ich nicht einmal 24 Std. später eine Sms von ihm bekam, mitten in Hamburg, als ich Kat gerade darüber hinweg tröstete, dass wir ihren Exlover mit seiner neuen Flamme gesehen hatten und wir uns mental auf eine Partynacht vorbereiteten, unpassender hätte es kaum sein können. Er habe eine Bitte an mich und eine Überraschung! (Überraschung, gut das man damit nicht die Neugier weckt…) Seit etwa drei Wochen habe ich keine Sms mehr von ihm bekommen, ich hasse Sms schreiben, er weiss das und da unser Kontakt über Skype abgesichert ist (zur Not auch mal FB), benötigen wir diese „mobile“ Kommunikation eher weniger. Aber da ich ja in Hamburg war, ohne Laptop natürlich, musst es eine Sms sein, unvermittelt, unerwartet.

Vor meiner Abreise hatten wir über meine Bewerbungen gesprochen, darüber warum ich gehen wolle, wohin und wann. Er merkte an, dass mein Zeitrahmen ziemlich eng sei, wenn ich den halben August in Israel/Palästina bin und schon im September eine neue Stelle im Ausland antreten wolle – dass ich bereits ab August eigentlich „weg sei“. Was er genau mit „weg sein“ meinte, ob er überhaupt was meinte – ich weiss es nicht, ich fragte auch nicht nach. Wir schwiegen einen Moment (besser gesagt schrieben nichts), er hat die Stille durchbrochen und soetwas gesagt wie: „No it´s a perfect chance, go and send more applications! Really u should!“  Das war natürlich, egal wie schön ich es mir rede, das Letzte was ich hören wollte. Ich verabschiedete mich, mit dem Hinweis, dass mein Zug bald fahren würde. Er sagte “ Apply, I´ll come and see u there“ . 

Nun stand ich also, nicht einmal 24 Stunden später vor einem großen Einkaufszentrum mitten in Hamburg und las seine Sms, die aufgelöste Kat neben mir. Anstatt ihm zu sagen, dass ich keine Zeit habe und auch kein Internet, antwortete ich ihm, ich sei in 2 Stunden kurz in der Nähe eines PC´s und würde mich melden… ich dummes, dummes Häschen, allzeit bereit, wenn Yaya sich meldet…

Es war nichts aussergewöhnliches, keine große oder dringende Sache  um die er mich bat, seine Überraschung war das Jobangebot der Firma, in der er zur Zeit sein letztes Praktikum ableistet, die Firma, die ich insgeheim hasse, weil (Verstand aus) „sie ihn mir weggenommen hat“ (Verstand wieder ein) und die er hasst, weil er alles dort langweilig findet und sein Chef ihn wie einen Fußabtreter behandelt. Das Gespräch war kurz und ich frage mich, warum es überhaupt geführt werden musste…warum es nicht warten konnte? Er war müde, hatte lange gearbeitet und ich hätte mich eigentlich für den „Tanz in den Mai“ auf der Reeperbahn fertig machen müssen – aber ich war da und hörte zu, antwortete war erreichbar, für ihn, weil ich gar nicht anders kann, weil er es, wenn ich ihn brauche, auch ist.

Diesmal bedankt er sich jedoch nicht nur ganz förmlich, wie sonst auch (er bedankt sich gerne und viel, auch wenn es wirklich nicht notwendig ist), er legt noch einen drauf: “ …ich meine danke, dass du immer für mich da bist ninjaan…“ Pause „…du weisst was ich meine, oder?“ – Ich habe diese beiden Sätze sicher schon an die 100mal gelesen, mir stiegen die Tränen in die Augen, wie furchtbar sentimental und weich ich doch bei ihm bin… Ich denke es ist unnötig zu sagen, dass ich an diesem Abend sowohl für „Prollmänner“ (siehe oben) als auch alle anderen Vertreter des anderen Geschlechts, keine Augen mehr hatte. Das er es auf Deutsch schrieb, weil die Muttersprache einen immer mehr berührt (meiner Erfahrung nach), erweckte ungeahnte Gefühlswallungen in mir.

Ich brauche erst einmal wieder etwas Abstand, die letzten, etwas mehr als 24 Std, war ich weder für Flirts noch für Kat wirklich zu gebrauchen, die unbedingt flirten wollte, und der  die „dahin schmelzende“ Freundin, sicher nicht die beste Begleitung dafür war. Abstand von ihm, weil mich so etwas so sehr berührt, weil ich versuche nicht nachzudenken, nicht zu analysieren, aber scheitere. Weil mich die Frage „Warum Yaya???“ in den Wahnsinn treibt, obwohl ich die Antwort kenne, sie aber nicht verinnerlichen kann, jedenfalls jetzt noch nicht. Ich bin offline, fast die ganze Zeit, ich mag nicht reden, nicht jetzt, es macht alles so schwer. Aber weil ich inkonsequent bin, schaue ich nach, ob er mir bei skype eine Nachricht hinterlassen hat. Ja, hat er – ein Lied. Es ist schön, ruhig, es berührt. Der Text lässt mich grübeln, manchmal, so glaube ich es jedenfalls, reden wir durch  Songs, Videos oder Bilder.

Ich höre den Song immer und immer wieder, ich stelle ihn mir dabei vor, wie und wo er es hört und woran er denkt und ich frage mich, ob er dabei genauso so sehnsüchtig schaut, wie damals, Kazoo spielend, auf dem Fensterbrett sitzend  – Bist du traurig Yaya joonam? Denn wenn du es bist, bin ich es auch…

Übersetzung:

Who are you? 
Trying to mould me into something you want, something to your expectations yet I am content with myself. So let me be, odd and free.

Tell me where I can find somebody who is flawless, unblemished? Nowhere, for we all are stuck in our past, holding in our trembling inner child.

Why and tell me how we can be so obsessed with picking out others mistakes and flaws. We are all not so different, connecting to each other, holding hands of mental doubts. 

I wish, oh how I wish, we can live like children again. Full of innocence and nothing to weigh us down. The chance to have a new beginning, without threat nor fear.

Translation by Sarah Salah