Und die gerade Straße gibt es nicht

Jedenfalls nicht für mich.

Mein Leben, Gott (für Nichtgläubige vielleicht Schicksal oder Zufall), wie auch immer, scheint es für besonders wichtig zu halten, mir das immer wieder vor Augen zu führen. Mein Weg ist nicht gerade, nicht mal annähernd, nicht mal ein bisschen, er verläuft im Zickzack, mal dreht er eine Schleife, mal über Berge, mal durch Täler. Spanned? Klar, aber auch sehr nervenaufreibend.

Kleine Hindernisse gibt es immer, ich kann da hartnäckig sein, Widrigkeiten, kein Problem, ich habe meist auch noch einen Plan B, manchmal sogar Plan C. Aber manchmal, da sprengt das Leben, Gott etc., auch mal alle drei Pläne gleichzeitig und dann stehe ich da, wie ein begossener Pudel und starre auf den Haufen Scheiße vor mir. Im Grunde sollte ich schon längst darauf vorbereitet sein, weil es in einer Art Regelmäßigkeit geschieht, aber was sollte ich tun? Einen Plan D entwickeln oder gar einen Plan E? Würden die nicht genau so zerplatzen?

Ich kann mich also nur mental darauf vorbereiten und, gemäß des Spruchs „Hoffe das Beste und erwarte das Schlimmste“, abwarten. Warten, auf das was kommt, was als nächstes geschieht.

Was ist also geschehen? Abgesehen von meinem leidenden Herzchen? Nun beschreiben wir es mal kurz und knapp:

1.) Wie ich schon mal berichtet habe, begann ich im Oktober meinen MA in Sozialwissenschaften, neben meiner Berufstätigkeit. Dies alles geschah jedoch unter der Voraussetzung, dass ich ab Oktober nur noch eine TZ Stelle haben würde, weil die eigentliche Leitung aus der Elternzeit zurückkommen wollte.

2.) Mein Master sollte laut VVZ an 2 Tagen in der Woche stattfinden, dazu einige Blockseminare.

3.) Nach ausführlichen Gesprächen mit den Chefs und meiner Vorgängerin kam eine mündliche Vereinbarung zustande:

a) Aus Oktober wurde Mitte November.

b) Ab Mitte November werde ich 26 Std. die Woche, im Nachmittagsbereich, angepasst an meinen Stundenplan, in der Nachmittags/Abendzeit arbeiten.

c) Ab Oktober beginnt die (Wieder-)Einarbeitungsphase der Vorgängerin, eben an jenen Tagen, an denen ich zur Uni muss.

d) Ich melde mich bei der Arge ab, weil ich ja nun einen unbefristeten TZ Vertrag bekommen werde.

Klingt doch gut, oder?

War auch gut, hat nur leider alles nicht funktioniert:

2.) Mein Master fand plötzlich an 4 Tagen in der Woche statt – keine Anwesenheitspflicht, aber dafür Referatsgruppen und Stundenprotokolle und Anmeldungen zu den Prüfungen bereits im November – nur mit Unterschrift der Dozenten.

3a) Aus Mitte November, wird nun niemals. Die Vorgängerin hat es sich in letzter Sekunde anders überlegt und einen neuen Job gefunden.

3b) Keine TZ Stelle für mich, entweder VZ oder ich bin raus!

3c) Sie ist nicht einmal gekommen, um mich zu entlasten, ergo konnnte ich zu selten zur Uni und viel zu viel ist auf der Arbeit liegen geblieben.

3d) Ja, ich bin abgemeldet, weswegen ich bei der Entweder – Oder Wahl (VZ oder Gehen) nun auch bei der Vz Stelle bleiben muss, weil ich sonst erstmal eine Sperre reingedrückt bekommen würde.

Jap, ich bin blöd! Ich hätte mir das schriftlich geben lassen müssen, einen Vertrag, hätte darauf bestehen müssen, dass Zusagen die mir gegenüber getroffen wurden auch eingehalten werden. Habe ich aber nicht und nun stehe ich da. Eine VZ Stelle, die ich behalten muss und ein Studium, dass ich nicht weiterführen kann, weil nicht mal die Möglichkeit besteht, auf ein TZ Studium zu wechseln.

2 Tage saß ich zuhause, Asthmagebeutelt und Kortison Überdosis intus, bis ich mich aufraffen konnte etwas zu tun. 2 Tage tat ich mir leid und habe ein wenig geweint. Weil ich doch so sehr studieren wollte, weil dieses Jahr einfach nichts klappt und weil ich nicht (Achtung großes Selbstmitleid) das Kind reicher Eltern sein kann, die mir alles abnehmen und alles finanzieren können…

Alle Einschreibungsphasen sind abgelaufen, die meisten Studiengängen die mit meinem Abschluß in Frage kommen, starten nur zum WS. Ich verliere ein JAHR!

Aber vielleicht gerade weil meine Straße niemals gerade war, mein Weg schon immer steinig, gebe ich nicht auf und recherchiere, im Internet, ganze Nächte durch. Und finde etwas, ein Fernstudium, an einer richtigen Universität, die Einschreibungsphase geht bis zum 15.11.2012! Haken an der Sache? Ganz klar, ich bin nicht ausreichend qualifiziert, mein Diplom ist nicht aus demselben Fachgebiet, der Master ist in Kulturwissenschaften (Geschichte und Literatur) – aber genau das, was ich immer heimlich erträumt habe.

Ich gehe zu ihrem Fachzentrum, von dem eines tatsächlich in meiner Stadt ist. Lasse mich beraten. Und nach einer Stunde bin ich drin, nicht im Master, aber im Bachelor, weil ich noch 2 Module dort abschließen muss um dann im Frühjahr, mit dem Master beginnen zu können!

Haken? Finanzielles? Nein, das ist ok, ist sogar günstiger als würde ich in einem Bundesland studieren, das noch Studiengebühren erhebt – aber Sprachnachweise! Ich muss jetzt nämlich zusätzlich zu Englisch C1 bis April in einer anderen Sprache ein Zertifikat A2 vorweisen. Ich lerne schnell Sprachen, aber eher unkoordiniert…Sprechen ist eine Sache…Schreiben eine andere. Aber gut, dass kriege ich schon hin, wäre doch gelacht!

Im März habe ich die Klausuren, ich muss nur bestehen und bis dahin ein Zertifikat A2 vorweisen, dann steht meinem Master nichts mehr im Wege (auch keine VZ Stelle!). Ok, ein halbes Jahr ist verloren, aber vielleicht nicht so ganz, weil es ein Master ist, von dem ich heimlich geträumt habe und der mir noch mehr gefällt, als die Sozialwissenschaften – vielleicht sind ungerade Straßen auch gut – manchmal jedenfalls!

Auf gehts ans Lernen!

Vom Ankommen

„Dieses ewige Hin und Her nervt mich Ninjaan, ich will endlich ankommen!“

Ankommen.

Der Kazoospieler wünscht sich, beruflich und im Allgemeinen, endlich anzukommen. Ankommen. Für mich klingt dieser Wunsch  befremdlich. Ich würde gerne fragen, was denn nach dem Ankommen kommt? Ankommen klingt für mich nach einem Dauerzustand und diese schrecken mich bekanntlich ab.

Ich habe seine Worte gelesen und doch sind sie für mich so unverständlich, als hätte er sie in einer anderen Sprache geschrieben. Auch meine Freundin Jackson benutzte erst kürzlich diese Formulierung. Ankommen, endlich. Als würde ein unsichtbares Band die beiden Worte miteinander verbinden, als würde alles was wir tun nur ein Ziel haben: Ankommen.

Der Weg ist das Ziel.

Konfuzius soll das gesagt haben. Ohne mich jemals mit ihm oder diesem Zitat näher zu beschäftigen ist es doch mein stilles Mantra. Mein einziges Ziel ist der Weg. Nicht stehen bleiben, nicht ankommen – denn was sollte ich tun, wäre ich erst einmal angekommen? Was tut man dann im Allgemeinen? Ein Haus kaufen oder eine Eigentumswohnung? Heiraten und Kinder kriegen? Und dann? Verharren?

Nicht das ich den Wunsch nach diesen Dingen nicht nachvollziehen könnte, auch wenn es nicht meiner ist. In einer Partnerschaft zu leben, etwas ganz Eigenes wie ein Haus zu besitzen, Kinder zu bekommen – alles wunderschöne Dinge. Aber Ankommen? Ist Ankommen nicht das Erreichen des Ziel´s, das Ende des Weges? Wie geht es denn danach weiter? Hört man auf zu suchen? Verlässt man den Weg und kehrt ein, kommt an?

Betrachte ich die Menschen in meinem Umfeld, die ihr Ziel, das Ankommen, erreicht haben. So beneide ich, bei allem Respekt, nicht einen von ihnen. Ich spreche ihnen nicht das Glücklichsein ab, sollten sie es denn sein, aber ich möchte nicht mit ihnen tauschen und meine Abneigung dem Ankommen gegenüber verstärkt sich bei genauerer Betrachtung.

Der Gedanke an das Ankommen schnürt mir die Kehle zu, ich habe Pläne, Träume, aber ihre Verwirklichung ist nicht Ankommen, sondern nur ein  weiterer Schritt auf meinem Weg. Spreche ich dies aus, sehe ich das Unverständnis in den Augen meiner Gesprächspartner aufblitzen, jenes befremdliche Gefühl scheint sie zu befallen, dass mich überkommt sobald jemand vom Ankommen spricht. Und manchmal erscheint mir dieses gegenseitige Unverständnis zwischen mir und den Anderen wie eine unsichtbare Mauer.

Ein wenig wehmütig denke ich an den Menschen zurück, der mich ohne große Worte verstand, der, ebenso wie ich, den Weg, die Reise bevorzugte.

Und ich wollte nicht ankommen mit dir, bei dir, durch dich – sondern mit dir weiterziehen, reisen und suchen. Einen kleinen Abschnitt des langen Weges mit dir teilen, weil es schön war jemanden zu haben, der versteht.

 

Yaya an Ninjaan „the dreamer“

„no im not thinking about staying there.. our difference is that i normally try to do sth instead of talking..u look for what u dream of and i firstly look for a job opportunity.i hope u find the one u like ninja but give some place to the reallity also not 100% dream :-“ „

Nein, der Unterschied zwischen dir und mir ist, dass du angefangen hast dich mit beschissenen Situationen zufrieden zugeben. Das du begonnen hast zu resignieren, du beschwerst dich, leidest – aber du bist die Unsicherheit so leid, dass du dich den Gegebenheiten fügst, nimmst was kommt, egal wie verhasst es dir ist. Ich ziehe die Unsicherheit jedem Gefängnis vor, ich gehe, halte mir alle Möglichkeiten offen und: JA, ich träume. Von einem besseren, nein erfüllterem, Leben, davon das es mehr geben muss als das hier. Und ich werde einen Teufel tun, der Realität, die mich ständig einzuholen versucht, die mich umgibt wie ein undurchsichtiger Nebel, auch nur ein Stück meines Traumes, meiner Träume zu überlassen. Du weisst, dass ich nicht nur rede, aber du hältst meine Nachfrage, ob du wirklich darüber nachdenkst dort zu bleiben, dich dort fest anstellen zulassen, für einen Angriff.

Du verteidigst dich. Mit einem Smiley am Ende, einem „gut gemeinten Ratschlag“. Ich spare mir meinen Ratschlag, du würdest es sowieso falsch verstehen. Und darum sage ich nichts mehr dazu und schicke drei weitere Bewerbungen nach Ägypten ab.

I prefer to be a dreamer among the humblest, with visions to be realized, than lord among those without dreams and desires.
Khalil Gibran