Flirten 2.0 ? (Ob das gut gehen kann?)

Mein Blog mag irgendwie (abgesehen von der Begegnung mit dem Ex) suggerieren, es gäbe ausser Yaya weit und breit keinen Mann in meinem Leben und das in immerhin beinahe zwei Jahren (Kennenlernphase ohne Körperkontakt jetzt mal mit eingerechnet) und das entscheidende daran: ohne überhaupt in einer Beziehung mit ihm zu sein! Ich glaube damit hätte ich mir den „Monogamie Preis“ in der Kategorie „Freundschaft Plus/Affaire/Unerwiderte Liebe verdient, alternativ könnte man mir auch einfach eine Narrenkappe aufsetzen.

(„And the gilded duncecape goes to…)

Aber wie schon der meine Geschichte mit B zeigte, bin ich gerade so noch mit einer Nominierung davon gekommen. Und auch derer bin ich nur würdig, weil mein Blog (Ja, er hat ein Eigenleben auf das ich keinen Einfluß habe!) mich in dieses Licht gerückt hat! In Wirklichkeit ist alles viel spannender und ich habe UNzählige Verabredungen – gut, das ist auch gelogen. Ich hatte in diesem Jahr vielleicht zwei oder drei? Aus keinem ist etwas geworden, bei keinem hat sich irgendetwas wie ein Gefühl entwickelt und im Grunde war jedes dieser Dates nur ein verzweifelter Versuch Yaya zu vergessen und über ihn hinwegzukommen. (Womit natürlich jede Möglichkeit auf mehr von Vorneherein im Keim erstickt ist)

Womit wir beim eigentlichen Problem wären – keiner interessierte mich genug, niemand berührte mich genug, als das ich das Bedürfnis verspürt hätte darüber zu schreiben – mich überhaupt daran zu erinnern. Keines der Dates war irgendwie spektakulär oder aussergewöhnlich weder im guten noch im schlechten Sinne – vereinfacht gesagt: Sie waren schlicht und ergreifend unbedeutend.

Aber nun, und ich habe fast Angst darüber zu schreiben, ist da jemand, der mich interessiert. Nein, es gab noch kein Date, also eigentlich viiiiel zu früh um überhaupt darüber zu schreiben, es „öffentlich“ zu machen – aber ich bin jetzt einfach mal mutig. Es ist nicht so, dass ich jetzt schon total euphorisch über eine mögliche Beziehung  phantasiere (ok habe ich doch, aber hey, mal ehrlich, wer macht das nicht heimlich?) oder schon auf Wolke 7 schwebe, nein das nun wirklich nicht, aber ich bin – interessiert.

So, kommen wir nun mal zu ihm, darum schreibe ich das hier ja schließlich alles!

FB machts möglich, Flirten 2.0 so zusagen – seit Yaya habe ich darin zwar einige Erfahrungen gesammelt, aber ein wirklicher Fan bin ich davon immer noch nicht und so habe ich mir auch nicht wirklich was dabei gedacht, als ich plötzlich eine Nachricht von, nennen wir ihn: Roro erhielt. Aus einer Nachricht wurde schnell ein langes Gespräch/Chat. Freundschaftsanfrage wurde verschickt – Fb/Stalker Check durchgeführt (ja, auf seinen etwa 500 Fotos sieht er durchgehend ziemlich ansprechend aus und seine Musikvideos und Statements sind allesamt interessant/gut), beide Seiten schienen zu demselben Ergebnis gekommen zu sein und so schrieben wir uns auch am darauf folgenden Tag, mittlerweile bei Skype.

Nach 2 Tagen intensivem Geschreibe wurden Nummern ausgetauscht – wenn schon dieser 2.0 Mist, dann aber bitte mit Stimme! Auch das Telefonat verlief gut, es macht Spass sich mit ihm zu unterhalten, er ist lustig, vielseitig interessiert, seine Stimme hat einen schönen Klang und es gibt nicht diese „Was soll ich jetzt sagen?“ Momente.

Die gesamte letzte Woche schreiben wir, telefonieren hin und wieder – ich freue mich über Nachrichten von ihm, werfe manchmal schon fast einen sehnsüchtigen Blick auf mein Handy. Es gefällt mir, er gefällt mir. Leider, leider wohnt er 200km entfernt – das ist kein Ausschlußkriterium für mich, im Gegenteil, ich halte die FernBeziehung für die, für mich einzig funktionierende Beziehungsart (Freiheitsdrang etc.), allerdings bin ich mir nicht sicher wie er das sieht. Wir flirten miteinander, das ist offensichtlich, doch wohin das führen soll (Verabredung ja oder nein?) ist mir nicht ganz klar, da er, ebenso wie, ich dazu neigt sich in Wortspielen und Wortwitz zu verlieren – ohne klare Aussagen zu treffen.

Für mich wäre es definitiv an der Zeit ihn zu treffen, auf einen Kaffee – weg von 2.0 -> back to the roots, dafür fahre ich auch mal 200km (da ich Freunde in seiner Stadt habe, würde sich das gut kombinieren lassen). Um mehr Interesse zu entwickeln, muss ich jetzt den gesamten Menschen sehen, seine Mimik und Gestik während er spricht, sehen ob wir uns „riechen“ können, das ist mir wichtig. Aber noch macht er keine Anstalten es auszusprechen. (?)

Wie bereits erwähnt, es ist eigentlich noch viel zu früh darüber zu schreiben und doch habe ich den Drang danach verspürt es niederzuschreiben. Ich war wirklich lange nicht so beeindruckt von jemandem. Sein bewegtes Leben (Leben auf mehreren Kontinenten in mehreren Ländern), sein Interesse an Literatur und Musik – das alles hat mich sehr neugierig gemacht – neugierig auf mehr. Dieses „mehr“ müsste dann allerdings fernab der „neuen Kommunikationsmedien“ ablaufen.

Gespannt warte ich also nun, auf das was kommen mag (oder auch nicht?) – das Interesse ist da, seit langem das erste Mal, vielleicht beruht es ja wirklich auf Gegenseitigkeit?

 

Was wirklich noch geschah / V

Im freien Fall, wann kommt der Aufprall? Fallen ist angenehmer als Aufprallen, jedenfalls fühlt es sich besser an. Im Fall ist man auch leicht, jedenfalls wenn man lange fällt.

Fünf Tage nach “ the invention of lying“ zeigt das Nachrichtenfenster ein „gelesen“ an. Der freie Fall neigt sich dem Ende zu. Ninjaan tut, was sie tunlichst vermieden hatte, seit die „Entblockung“ vollzogen wurde, sie schaut auf Yaya´s Profil. Da kann sie ausser einiger „App Aktivitäten“ eigentlich nichts sehen, Yaya postet nicht öffentlich, selten jedenfalls, so gut wie nie. Doch da! Ein Post. „Danke für die vielen lieben Glückwünsche zu MEINEM Geburtstag!“

Ups. Geburtstag? Welcher Tag war noch gleich? Ninjaan schickte den Film einen Tag nach seinem Geburtstag. Nein, halt! Das ist nicht wirklich Yaya´s Geburtstag, der war nämlich schon letzten Monat! Das ist nur sein „Fake Geburtstag“ (ersetze k durch c und füge ein Buch hinzu) – nicht echt. Wer ihn kennt, der weiss das. Wer ihn kennt weiß noch mehr! Zum Beispiel, dass Yaya Geburtstage für unnötig hält, wozu feiern? Wer Ninjaan kennt, weiss, dass Yaya ihren Geburtstag damals vergaß, absichtlich.

Das war keine Absicht – ein Film ist schöner als jedes „happy birthday“ am falschen Tag.

Trotzdem:

Was wirklich noch geschah / IV

24 Stunden verstreichen, ebenso wie 48 Stunden, immer im selbten Takt, keine Sekunde ist länger als die Andere. Von Tag zu Tag wird aus der Leichtigkeit, aus der ERleichterung, ERnüchterung.

Yaya liest Ninjaans Nachricht, aber antwortet nicht. Eine Woche vergeht, die Leere kommt nicht zurück, die Ketten sind, sollten sie da sein, nicht so schwer, nicht mehr unerträglich und ein Lächeln ist nicht mehr gespielt. Aber, das weiss Ninjaan selbst, sie steht am Abgrund, der Fall ist kaum aufzuhalten. Nicht darüber sprechen, damit niemand etwas sagen kann, Ninjaan will kein „Ich habe es dir doch gesagt“ hören.

Eine Party, ein Sonntag morgen danach, ein nüchterner Sonntag Morgen, weil Ninjaan nicht mehr trinkt.
Keine Müdigkeit, keine Nachrichten. Der Laptop surrt vor sich hin, nichts los, niemand wach, schreiben geht nicht, schon lange nicht mehr. Ein Film wäre jetzt gut, aber welcher?

The Invention of lying  – Die Erfindung der Lüge

Guter Film, gerne angesehen, gerne wieder gesehen. Während des Wartens auf die „Pufferung“, die Erinnerung. Yaya beschwerte sich, weil Ninjaan niemals Filme schickte, immer nur schwärmte, nicht teilte.

Ninjaan öffnet die Nachricht, liest ihre letzte Nachricht, so locker – sehr locker. Zu locker? Geblockt, gebannt, Nummer weg – vielleicht zu früh zum Scherzen, zu früh zum locker sein? Analysen bringen nichts. Ninjaan will es jetzt, teilen. Weil sie es vermisst zu teilen. Yaya antwortet nicht, ok, führt Ninjaan eben einen Monolog! Nein, das ist albern, ein Link ohne Kommentar reicht – hat Yaya ihr beigebracht, vor längerer Zeit.

The invention of lying – I hope u enjoyed it!

That sucks…

Der lange Abschied Teil II

Vor zwei Wochen bin ich an einem Sonntag Morgen wieder in Köln gelandet.

Ich hatte vor noch einige Tage in der Nähe von Köln bei meinem Vater zu bleiben, ich war viel zu selten dort und ich spürte wie er sich freute. Schon am selben Nachmittag zeigte ich ihm alle meine Fotos (immerhin weit über 500 Stück), naja, fast alle. Die Fotos aus der Westbank befanden sich bei Yaya. Und weil ich eigentlich, abgesehen von meiner Sehnsucht nach Jerusalem, guter Dinge war, schrieb ich Yaya eine Sms. Wie es ihm gehe, ob er schon aus dem Süden zurück sei und das ich wieder im kalten Deutschland bin und mich freuen würde, wenn er die Fotos wieder in unseren Dropbox Ordner laden könne, sobald er Zeit dazu habe. Im Haus meines Vater habe ich kaum Empfang und so verschwand ich ständig auf die Terasse, um zu schauen, ob ich schon eine Antwort bekommen habe.

Nun ja, was soll ich sagen? Ich bekam keine. Obwohl Yaya einen Vertrag hat. Am späten Abend zeigte mir mein Dropbox Ordner an, dass Yaya alle Dateien hochgeladen hatte – ohne ein Wort. Zwei Tage später fuhr ich nach Hause zurück und entdeckte Abends, dass Yaya mir am Sonntag Abend bei Skype geschrieben hatte „Welcome to Iceland!“ – Keine Antwort auf meine Fragen, kein Erkundigen nach meinem Wohlbefinden. Das saß. Ich schwieg weiterhin, auch als er mir noch am selben Abend zwei Filme über Dropbox schickte – ich bin nicht wild darauf irgendwas zu bekommen, alles was ich will ist ein Gespräch, aber genau das bekomme ich nicht. Was für Freunde sind wir eigentlich?

Am nächsten Tag hat er mir immer noch nichts geschrieben und ich tue wieder das, was man in solchen Fällen nicht tun sollte, ich suche seine Seite bei Fb auf. Wir sind zwar keine Freunde mehr, aber einiges ist für mich dennoch sichtbar. Ich sehe, dass er den Song meiner Jugendlichen geteilt hat und freue mich. Hätte ich es nur dabei belassen! Ich jedoch scrolle etwas weiter hinunter und sehe, dass er 2 Tage zuvor, einen Song von Fettes Brot gepostet hat „Ich lass dich nicht los“, mit einem kurzen Kommentar, der zwar niemanden direkt anspricht, aber erkennen lässt, dass er diesen Song jemandem widmet. Der Song hat ein“ Gefällt mir“ und einen Kommentar – von IHR!

Ich würde gerne weinen, schreien, irgendwo gegen schlagen – aber nichts davon geht mehr. Es ist einfach zu viel. Wenn sie so wichtig ist, warum hast du mich dann in deinem Leben gehalten? Bin ich nichts anderes als dein blödes „rebound girl“?

Als Kurzschlußreaktion blocke ich ihn, bei FB und bei Skype. Ich will nichts mehr sehen und nichts mehr von ihm hören. Ein paar Tage scheint das zu reichen, ich fühle mich nicht wirklich besser, aber etwas stärker, nicht mehr ganz so hilflos.

Nach wenigen Tagen erhalte ich plötzlich eine Sms (!):

I am in Hamburg ninja, I stay here with my cousin. I dont have internet. Don´t get angry if I dont write! The video of ur kids is awesome! U did a great job!

Er hat also kein Internet, dabei könnte ich schwören sein „Dont get angry with me if I dont write“ ist das Resultat davon, dass er bemerkt hat, dass ich ihn geblockt habe. Das Video hat er vor Tagen gesehen, er hätte mir schon vorher etwas dazu schreiben können – als er noch Internet hatte! Warum also jetzt? Ich grübel lange nach und entschließe mich dann ihm zu antworten. Nicht weil ich mein Vorhaben, keinen Kontakt mehr mit ihm zu haben, brechen will, sondern weil ich der Meinung war, er würde mir wieder schreiben, sollte ich nicht antworten.

Everything is fine Yaya (Ich habe seinen richtigen Namen geschrieben, keinen Kosenamen, womit ich Distanz zeigen wollte…). I am glad to hear u liked the video. Enjoy Hamburg.

Kurz und höflich ohne eine Antwort zu erwarten. Ich hoffte das würde erst einmal reichen. Es reichte aber nicht, denn am nächsten Tag erhielt ich erneut eine Sms von ihm. Deren Inhalt  so bescheuert war, dass ich bis heute nicht weiß, was er sich dabei gedacht hat, aber seht selbst:

Yes it is a master piece! Ninjaan, I want to write a note to our neighbour, I want to use his internet for some time, can u write it for me pls?

Ich erhalte diese Sms 2 Stunden später, da mein Handy während eines Treffens mit der Volksbank ausgegangen war und starrte nun ungläubig auf seine Worte. Ich soll ihm einen Satz schreiben? Der Mann hat seine Masterarbeit auf Deutsch geschrieben und jetzt kann er nicht mehr so einen Satz schreiben? Ich hatte ihm schon einmal bei formellen Schreiben geholfen oder seine Bewerbung überarbeitet – aber so einen Satz? Für eine Sekunde bin ich versucht ihn anzurufen, um ihn zu fragen, ob das ein Witz sein soll. Ich tue es aber nicht und schreibe ihm irritiert einen Satz mit der Frage, ob er so etwas meinen würde?

Und dann? Dann bekomme ich keine Antwort mehr. Kein Danke, keine Erkärung, nichts. Nichts an diesem Tag und nichts am nächsten Tag. Und wieder sitze ich, immer ein Auge auf dem Handy da und warte und warte. Und ich hasse warten und mit jeder Stunde die ich auf eine Antwort warte, geht es mir mieser.

Letzten Donnerstag morgen fasse ich dann den etnscheidenden Entschluß, wenn ich ihn schon überall geblockt habe, dann sollte ich auch konsequent sein. Ich kann ihm schlecht verbieten mir Sms zu schreiben – aber ich kann es unmöglich machen. Ich rufe bei der O2 Servicehotline an und bitte um eine neue Nummer. Die Frau am anderen Ende ist nett und weil ich wahrscheinlich ziemlich erbärmlich klinge, fragt sie mich dreimal ob ich sicher bin, dass ich das tun möchte. Ich bejahe es jedesmal. Ja, ich möchte meine Nummer wechseln und ich weiss, dass das endgültig ist und das es schon innerhalb der nächsten 20 Minuten umgestellt wird.

20 Minuten später habe ich eine neue Nummer. Meine alte ist nicht mehr erreichbar. Ich bin nicht mehr erreichbar für Yaya.

Es geht mir nicht besser damit und ich fühle mich auch nicht stärker dadurch. Aber ich warte nicht mehr. Ich weiss, dass er mich nicht erreichen kann, egal wie. Manchmal frage ich mich, ob ich das überhaupt aushalte. Ob es ihm gut geht? Ob er vielleicht dringend etwas braucht und ich plötzlich nicht mehr antworte…aber dann denke ich an die 100mal in denen er einfach nicht geantwortet hat, obwohl ich die richtige Nummer habe, obwohl meine Nachrichten bei Fb gelesen und bei Skype übertragen wurden.

Ich wollte ihn in meinem Leben halten, als Freund, wenn schon nicht als Liebhaber. Aber es ist mir unmöglich, weil meine Gefühle zu stark sind und seine zu schwach – so kann man nicht befreundet sein, jedenfalls ich nicht…

Und jeden Tag hoffe ich doch insgeheim, dass er irgendetwas tut, irgendeinen Weg findet mich zu kontaktieren und das dann alles gut wird, wie im Märchen… Aber mir ist klar, dass das nicht passieren wird…

Retrospektive Dezember 2011: Das letzte Treffen Teil I

Der Tag beginnt um 00:01 Uhr, dieser eine Tag, mein Tag, der Tag meiner Geburt. Einige Stunden vor dem Beginn dieses Tages haben wir uns bei Skype geschrieben, unser Treffen für den Tag, nach meinem Tag geplant. Der Song ist fast fertig, ich liebe ihn, diesen Song. Deine Stimme ist so weich, so sanft, ich liebe deine Stimme und auch wenn ich nur die Hälfte von dem verstehe was du sagst, ist mir klar, dass du viel mehr in diesen Song gelegt hast, als in den Vorherigen.

An diesem Tag, wenige Stunden vor meinem Tag, sprechen wir über vieles, wir lachen, tauschen uns uns, planen, erinnern uns kurz an unser letztes Treffen zurück – alles ist gut, wir sind gut – zusammen sind wir besser als wir es uns je gedacht haben.

Ich feier nicht rein in meinen Tag, ich halte nicht viel davon, warum sollte ich feiern, dass ich älter werde? Wir alle werden das, es ist keine große Leistung alt zu werden.

Doch wie jedes Jahr gibt es an diesem Tag eine Familienfeier, Plitschi und Jackson sind auch gekommen, sie gehören irgendwie mit zur Familie, mit zu diesem Tag, den ich eigentlich nicht feiern will, der aber irgendwie doch mein Tag ist. Und eben weil es irgendwie doch mein Tag ist, sehe ich von Stunde zu Stunde ungeduldiger auf mein Handy, ich erhalte viele Sms, Anrufe, Glückwünsche, zu etwas für das ich nichts geleistet habe, nette Gesten, die mir eigentlich nichts bedeuten. Nur du, du bleibst stumm.

Um 23:59 Uhr meines Tages sitze ich mit Plitschi, Jackson und meiner Mutter am Küchentisch, die Gäste sind alle gefahren, mein Tag ist ja auch immerhin fast vorbei und der neue Tag rückt unaufhaltsam näher – ein Tag ohne besondere Bedeutung, der aber doch einer unserer Tage werden sollte – und noch immer hast du dich nicht gemeldet. Ein letztes Mal stehe ich auf und öffne Skype – wenn keine Sms und kein Anruf, dann aber doch vielleicht dort eine Nachricht?

Um 00:01 Uhr ist mein Tag vorüber, ein Kloß hat sich in meinem Hals festgesetzt, weil du nichts gesagt hast, nichts zu meinem Tag, der mir eigentlich egal ist, aber eben nur eigentlich. Am Tisch warten sie auf mich, Plitschi, Jackson und Mama, sie sehen mich an, teils mitleidig, teils zornig. Ich solle dir absagen für diesen neuen Tag, der eigentlich unser Tag werden sollte, weil du meinen Tag vergessen hast. Trotzig, wie ein kleines Kind, dass statt eines Fahrrades nur ein Puzzle bekommen hat, nehme ich mein Handy in die Hand und schicke dir eine Nachricht:

„Happy Birthday!“

Da war es 00:10 Uhr, nicht einmal 5 Minuten später bekomme ich eine Antwort, und ich weiss nicht ob ich lachen oder weinen soll oder einfach mein Handy aus dem Fenster werfen soll, weil du doch so schnell antworten kannst:

„Yes I know I am sorry I worked last night and had a bad day today. Im at work again. I guess u forgive me do u want ur gift today?”

Deine Worte bringen mich fast zum überkochen, ja, ich sollte dir absagen, weil ich wütend und verletzt bin, weil du meinen Tag vergessen und weil du so selbstverständlich und arrogant davon ausgehst, dass ich dir dies verzeihe. Aber ich bringe es nicht über´s Herz, weil ich weiss, dass du den gesamten Januar arbeiten wirst und Ende Januar, da wirst du gehen, weit weg, weg von mir. Und ich kann dich nicht aufhalten, dir nicht mal sagen, dass ich wünschte du würdest nicht gehen. Und darum frage ich nur, ob unsere Verabredung noch steht. Deine Antwort lässt keine Reue erkennen, aber die hätte es in diesem Moment sowieso nicht besser gemacht. Du schickst mir noch ein lahmes „Boos“ (Küsschen), dann gehe ich schlafen und schalte mein Handy aus.

Den gesamten nächsten Tag habe ich damit verbracht meine Wut und meine Verletzung zu verarbeiten, aus Selbstschutz entscheide ich mich dafür, dich nicht damit zu konfrontieren. Ich bin schon verletzlich genug, ich werde es dir nicht auch noch auf einem Tablett servieren, wie sehr du mich damit getroffen hast. Und noch klingen mir deine Worte des letzten Treffens im Ohr „ U are such a runaway Ninjaan! Why do u always hide ur feelings?“

Am Abend bin ich gewappnet, ich habe eine hohe Mauer um mich gezogen, darin habe ich meine Wut, meine Verletzlichkeit und meine Enttäuschung versteckt, du wirst keine Chance haben sie einzureissen, da bin ich mir sicher!

Um Punkt 20:53 Uhr am Tag, nach meinem Tag, dem Tag der unserer sein sollte, unser Letzter, stehe ich am Bahnhof und warte auf dich…wie schon so oft zuvor….

Retrospektive Oktober 2011

„I have never seen that dress you’re wearing
Or the highlights in your hair that catch your eyes I have been blind

Lady in red is dancing with me cheek to cheek
There’s nobody here, it’s just you and me, It’s where I wanna be
But I hardly know this beauty by my side
I’ll never forget, the way you look tonight“ (Lady in red, Chris deBurgh)

Du kommst zurück. Zurück zu mir. Du hast nie gesagt, dass du zurück kommen willst und ich habe niemals gesagt, dass du zurück kommen sollst. Nach unserer letzten Begegnung am Bahnhof sind wenige Wochen vergangen, ich hatte die Hoffnung aufgegeben, dass du und ich jemals wieder so sein könnten wie zuvor. Unser Kontakt brach trotz unseres katastrophalen letzten Treffens nicht ab. Du warst etwas reservierter als sonst, ich ebenfalls, doch wir konnten nicht ganz voneinander lassen.

Die Musik hat uns wieder zusammengebracht. Mein Projekt. Alles lief schief, nichts funktionierte wie es sollte, aber ich hätte dich niemals gebeten zu kommen, dafür war ich zu stolz. Also bist du über deinen Schatten gesprungen und hast mir angeboten alles zu installieren und anzuschließen – du könntest allerdings erst abends. Kein Problem, ich auch…

Und so stehe ich nun, wie so viele Male zuvor, um 21 Uhr am Bahnhof und warte auf dich. Ich versuche nicht nervös zu sein, ich bin über dich hinweg sage ich mir. Das war Einbildung, meine Gefühle niemals echt. Du und ich, wir passen gar nicht zusammen. Wie ein Mantra habe ich mir das alles, im Auto auf dich wartend, aufgesagt.

Deinen Weg vom Gleis bis zum Auto habe ich dich extra nicht angesehen, so getan als würde ich etwas im Auto suchen, nicht erinnern, nichts machen, dass Gefühle hervor ruft! Als du neben mir sitzt reichst du mir die Hand, Kumpels, dass sind wir jetzt. Auf der Fahrt siehst du mich an, wir reden wenig, es ist irgendwie noch komisch und vielleicht wartest du darauf, dass ich auf den Rücksitz greife und dir eine Cola reiche, wie so viele Male zuvor. Aber diesmal habe ich keine Cola für dich.

Als wir im Jugendzentrum ankamen, war niemand mehr dort. Du hast darauf bestanden, dass ich dir alles zeige und  warst so begeistert. Alles war toll. „That´s an awesome place ninjaan! It´s sooo oldschool! I´d love to chill here! U did a great job!” Deine Worte erfüllten mich mit Stolz…in den wenigen Wochen hatten wir viel gearbeitet, viel geändert, dass es dir gefällt, macht alles noch schöner für mich. Bevor wir ins Tonstudio gehen, setze ich einen Kaffee auf und du hast mich zum Kicker gerufen. Du wolltest ein kleines Match. Ich habe gnadenlos verloren, ich bin eine Niete im Kickern. Aber es hat die Stimmung gelockert.

Im Tonstudio machst du dich gleich an die Arbeit. Ich habe gehofft, dass du es nicht schnell genug hinbekommst, ich wollte nicht, dass du wieder gehst. Du solltest bleiben Yaya. Ich bin doch über dich hinweg, wir können wieder so sein wie vorher.

Irgendwann hast du auf dem großen Sessel Platz genommen und ich habe mich neben dich gekniet. Du hast die Software auf dem Laptop installiert und mir dabei etwas erklärt. Aber alles woran ich denken konnte, war dein Duft. Du hast gerochen wie immer, nach dir, nach Leidenschaft. Du hast bemerkt, dass ich dir nicht wirklich folge und mir lächelnd über´s Haar gestrichen.

Nach Stunden ist endlich alles angeschlossen und installiert. Du hast die Hand nach mir ausgestreckt und mich zu dir gezogen. „U want me to stay?“ Ich lächelte:“ Let´s go home.”

Zuhause angekommen bist du schnell unter die Dusche gesprungen, du seist direkt von der Arbeit gekommen – ich hoffte nur, mein Duschgel würde deinen Duft nicht zu sehr übertönen.

Ich machte Pizza für uns und holte eine Flasche Cola aus dem Kühlschrank – Ja, ich hatte welche gekauft, als wenn ich es wirklich vergessen hätte, Yaya! Du hast dich aufs Bett geworfen und wir haben gemeinsam gegessen und uns dabei einen völlig bescheuerten Film angesehen. Es fühlte sich so gut an, so als wäre niemals etwas gewesen zwischen uns, als wären nicht Wochen seit unserem letzten Treffen vergangen, als hätte es den Tag am Bahnhof niemals gegeben.

Irgendwann drehst du dich auf den Rücken und siehst mich an, ich versuche es zu ignorieren und bekomme doch eine Gänsehaut. Sanft berührst du mein Gesicht und ziehst mich näher an dich heran. Eine kleine Ewigkeit schauen wir uns nur an, dann küssen wir uns, langsam, vorsichtig, als wäre es unser erster Kuss… Du riechst so gut, trotz des Duschgels rieche ich dich. „U smell so good!“ Verlegen schaust du zur Seite:“ Don´t say that…“ – „But it´s the truth.“ Du siehst mich an, du wirkst unsicher, fragend schüttele ich den Kopf. „Someone once told me, I smell too much…“ Ich bin erschrocken, wie konnte jemand so etwas sagen? Du riechst wundervoll, du bist der erste Mensch den ich überhaupt so intensive wahrnehme! Ich streichel vorsichtig über dein Gesicht, küsse dich. „I love it!“

Am nächsten Nachmittag, auf dem Weg zum Bahnhof, erscheint alles zwischen uns wieder wie vorher zu sein. Du sitzt entspannt neben mir und siehst aus dem Fenster. Dann beginnst du das Lied von Chris de Burgh zu singen. Wie immer bekomme ich eine Gänsehaut bei deiner Stimme. Du schaust zu mir rüber und lächelst. „I´ll record it for u one day.“

Die Gewissheit kommt zum Schluß

Ninjaan ist müde, ganz müde. Allein zuhaus, das Telefon ist stumm. B. meldet sich seit gestern nicht, nachdem er Selbstvorwürfe hatte, dass er nicht „gut genug“ für mich sei, mich nie wieder enttäuschen wolle. Enttäuschend ist das jetzt gerade, aber was will ich eigentlich?

Ich sitze vor dem Pc, lese etwas und höre Musik. Yaya schreibt mich an, wir sprechen etwas, irgendwann frage ich ihn nach der Moral, das Thema, das mich zur Zeit am Meisten beschäftigt. Als Beispiel ziehen wir einen seinen Lieblingsfilme heran „Die Brücken am Fluß“ (wie passend..). Wir philosphieren, über gut und böse, richtig und falsch.  Er sagt, er würde so etwas niemals tun (Stichwort Film) und dann… Dann sagt er etwas, dass ich niemals wissen wollte, nachdem ich niemals direkt gefragt habe. Vielleicht, weil ich ahnte es würde weh tun.

„i didnt acepted a long distance relationship becasue of that otherwise i trusted the other person more than my eyes..
i may hurted her but i didnt wanna do sth that i may do sth wrong“

Die „Fernbeziehung“ die er nicht einging, die Person, der er mehr vertraute als seinen eigenen Augen…das ist nicht Ninjaan…das ist SIE.

Ich breche in Tränen aus, ich weine um mich selbst. Die ewig Nr. 2 …ich wollte diese Gewissheit niemals haben, jetzt habe ich sie. Wozu noch? Es ist fast vorbei, nein, eigentlich ist es vorbei. Schluß.

Yaya und Ninjaan…gibt es nicht. Hat es niemals gegeben. Mehr als Warten und die Hoffnung, verabscheue ich nun die Gewissheit.

Wer will schon Rosen?

Ich wache in letzter Zeit ständig viel zu früh auf, viel zu früh gemessen daran, dass ich mindestens bis 10 Uhr schlafen könnte, zu früh weil ich die letzte Zeit immer erst um 3 oder 4 Uhr morgens einschlafe, zu früh weil ich nichts wirklich sinnvolles mit der ganzen Zeit morgens anfangen kann. Mein Timing ist allgemein nicht das Beste (entweder zu früh oder zu spät, ständig, in allem!), das Timing der Menschen in meinem Leben passt sich gut dem Meinen an und nun  hat das schlechte Timing auch noch meine letzte Festung gestürmt, meinen Schlaf. Eigentlich ist auf meinen Körper, was den Schlaf anbelangt nämlich verlass, ich verschlafe nie und ich wache für gewöhnlich auch nicht viel zu früh auf. Ich brauche in etwa 6-7 Std. Schlaf um fit zu sein, wenn ich um 3 Uhr ins Bett gehe, weiss mein Körper „Yuhu, heute gibts 7 Stunden Schlaf“, sprichts, schläft ein und erwacht wenige Minuten bevor der Wecker um 10 Uhr loslegt. Selbst wenn ich einmal vergesse den Wecker zu stellen, kein Problem, mein Körper weiss wann er gefälligst aufzuwachen hat!

Seit kurzem wache ich aber andauernd 2-3 Stunden vor meiner eigentlichen  „Aufstehzeit“ auf und das obwohl ich brav lange wach bleibe und mein Körper eigentlich nichts zu meckern haben sollte! Dabei habe ich mir gerade vor kurzem so ein Duftfläschchen gekauft, dass einen angenehmen Rosenduft im Zimmer verbreitet. Ich bin normalerweise kein Fan von solchen Dingen, aber ich habe gehört, es soll den Schlaf verbessern und da ich, mit meiner Hypotonie, ständig zu Müdigkeit neige, dachte ich mir, ein wenig Verbesserung meines Schlafs (sprich, tiefer und erholsamer) kann ja nicht schaden. Das jedenfalls haben irgendwelche Gesundheitsgurus im Fernsehen gesagt. Und da ich Rosen zwar für langweilig und eintönig halte, ihren Duft und Geschmack jedoch mag, habe ich mir für knappe 10 Euro so ein Fläschchen gekauft und es brav neben meinem Bett platziert.

Von dort habe ich es allerdings nach der ersten Nacht wieder verbannt, weil der Duft so stark war, dass ich zweimal aufgewacht bin (irgendwie roch es schon fast unangenehm). Jetzt steht es am anderen Ende des Zimmers und soll meinen Schlaf verbessern. Pustekuchen! Ich gehe sogar soweit zu sagen, der blöde Rosenduft raubt mir meinen Schlaf! Warum sonst bin ich neuerdings um spätestens 8 Uhr hellwach? Hellwach ist übertrieben, ich fühle mich ziemlich gerädert, aber einschlafen klappt irgendwie auch nicht mehr… Da muss doch jemand dran Schuld sein und warum dann nicht die Rosen, die ich eh doof finde und die es mir vielleicht heimzahlen wollen, dass ich sie doof finde, nicht hübsch sondern höchstens lecker?

Und während ich hier über Schlaf und Rosenduft schreibe, kommt mir gerade der Warter in den Sinn. Nach 5 Tagen absoluten Schweigens hat er mir gestern eine Nachricht geschrieben, eine kurze Entschuldigung (Ausrede), warum er sich nicht gemeldet hat und wie es mir gehe?! Wie es mir geht? Ich schlafe zu wenig, habe tierischen Muskelkater vom Training, Ärger auf der Arbeit und Kummer wegen Yaya, und du meine liebe Rose, ehm lieber Warter, meldest dich nicht um irgendetwas davon zu verbessern! Das sage ich natürlich nicht, wenn ich antworte dann locker und völlig unberührt, aber im Grunde ist es die Wahrheit und schlimmer noch, der Warter ist wirklich mein „untreuer“ Rosenduft!

Man sagte mir, ebenso wie bei dem Duftfläschchen, es könne meine aktuelle Situation verbessern, Leid lindern etc. Der Warter ist meine Rose, die mich bitter enttäuscht hat, weil er mich nicht aufmuntert, weil er anscheinend beleidigt ist, dass ich andere Blumen vorziehe. Das einzige Ziel was Rose und Warter augenscheinlich verfolgen, ist die Maximierung meines Unwohlbefindens! Warum sonst lässt die Rose mich so früh aufwachen, anstatt meinen Tiefschlaf zu verbessern und warum sonst hat der Warter nach 3 Monaten warten und umgarnen beschlossen, jetzt den Kühlen, Unnahbaren zu spielen, anstatt mich meinen Kummer wegen Yaya wenigstens ansatzweise vergessen zu lassen?

Ich stehe weder auf Rosen noch auf Warter, der Reiz der Beiden lag einzig und allein in ihren Versprechungen. Gut, das klingt jetzt vielleicht etwas gemein, aber ich finde es viel gemeiner etwas zu versprechen, was man nicht halten kann/will, als einfach ungeniert die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu äussern! Ehrlichkeit klingt manchmal vielleicht mies und taktlos, aber sie richtet nicht halb soviel Schaden an.

Ich, für meinen Teil, bin jetzt auf jedenfall bedient, der Rosenduft wandert später, wenn ich zur Arbeit fahre, in den Müll und der Warter, (dem ich übrigens nett und locker geantwortet habe – ohne das darauf dann noch eine Antwort zurück kam) den ich nicht in den Müll werfen kann, kommt jetzt auf meine „Ignore list“ !

Mal sehen, vielleicht kaufe ich mir später einen Strauß weisse Lilien (wenn ich welche bekomme), die Blumen die ich eigentlich liebe und schreibe Yaya eine kurze Nachricht/Antwort (gestern hatte ich mehrere Nachrichten von ihm, so fern Yaya doch ist, er ist ehrlich und das ist mir lieber als 1000 schöne Worte!), weil er meine weisse Lilie ist.

Wer bitte will schon Rosen, die einem den Schlaf rauben und einen Warter, der einen ständig warten lässt?

Wenn das Warten ein Ende hat

Es gibt etwas, das ich mehr fürchte als das Warten. Nur leider fällt mir kein geeigneter Begriff, weder ein vorhandener noch ein neu erfundener, ein, der diesen Zustand, der eigentlich kein Zustand ist, sondern das Ende eines Zustands, treffend beschreiben könnte.

Ich versuche es mal so:

Mit dem Warten verbrüdert sich immer die Hoffnung, ob man nun will oder nicht, ob man es sich eingesteht oder nicht, spielt keine Rolle. Man hofft, auf irgendwas, sei es Erlösung, ein Wunder, eine Lüge, man wartet und hofft. Die Hoffnung ist der leise Begleiter des Wartens, der wie ein Schatten folgend, mal größer mal kleiner, immer mit läuft. Da ich das Warten aus tiefstem Herzen verachte, übersehe ich die Hoffnung meist, ich beachte sie schlichtweg nicht, obwohl sie da ist. Wenn das Warten ein Ende hat und sich eigentlich ein leichtes Gefühl der Erlösung breit machen sollte, bemerke ich sie plötzlich, die Hoffnung. Ich bemerke sie, weil das Gefühl der Erlösung überschattet wird, von einer viel gewichtigeren Empfindung, der geplatzten Hoffnung.

Und mir wird bewusst, dass es sich mit dem Hoffen genauso verhält wie mit dem Warten, man will es nicht, man versucht es zu vermeiden, man redet sich ein das man es nicht tut, aber am Ende hat man es doch getan: ich habe gewartet und ich habe gehofft.

Ich habe gehofft, das, sollte ich es schaffen über meinen Schatten zu springen, er es vielleicht auch schafft, dass er etwas sagt, dass mein Warten beendet aber nicht meine Hoffnung.

Manchmal wird dieses, mir wie ein Naturgesetz erscheinendes, Phänomen von „Warten und Hoffen“ sicherlich durchbrochen. Dann hat das Warten ein Ende, einen Sinn und die Hoffnung wird zur Realität. Aber anscheinend gehöre ich (noch?) nicht zu den Glücklichen in deren Leben so etwas geschieht.

Als er mich vor wenigen Tagen endlich anschrieb und mich etwa 3mal fragte, ob es mir gut gehe, habe ich es schon geahnt, als er schließlich an Stelle von „ninjaan“ meinen richtigen Namen, als „Einleitung“ schreibt, breche ich schon in Tränen aus. (Das muss ein ziemlich erbärmliches Bild gewesen sein, junge 25+ Frau weint vor dem Bildschirm ihres Laptops, weil jemand ihren Namen schreibt)

Ich habe versucht ihn aufzuhalten, schrieb, dass er nichts sagen müsse, das alles ok sei! Er sagte, dass er das nicht ignorieren könne und ich nicht von ihm erwarten könnte zu schweigen. (Ich wünschte ich hätte ihn aufhalten können, in diesem Moment wollte ich nichts mehr als ihn aufzuhalten, so zu tun, als hätte ich nie etwas gesagt, als wäre alles gut, cool, wie immer…)

Aber Yaya ist ein Sturkopf, so wie ich und er hat Recht, er sollte etwas sagen. Und das tut er dann auch. Vieles von dem was er sagt, klingt fast einstudiert, als hätte er sich genau überlegt, was er wie sagen soll, als würde er auf Eierschalen laufen.(Und ich hasse das meine Email ihn dazu gebracht hat. ) Er fragt zuerst genau nach, warum ich gesagt habe, dass ich keine Reaktion erwarte, warum ich keine will. Meine Erklärungen sind notdürftig, ich sehe die Tastatur kaum und verschreibe mich öfter als sonst und das dann alles noch auf Englisch – wie schwer ist es Empfindungen in einer anderen Sprache zu beschreiben, egal wie gut man sie beherrscht!

Er sagt mit das er, ebenso wie ich, vieles von dem zurückhält, was gesagt werden sollte/könnte, das er nicht gut darin ist, aber das er angesichts meiner Email, ebenfalls nichts zurückhalten will (und ich merke, dass es auch ihm schwer fällt etwas auf einer Sprache auszudrücken, die nicht seine Muttersprache ist, er verschreibt sich mindestens genauso oft wie ich). Er sagt, dass ich weiss, wie glücklich er ist, mich in seinem Leben zu haben, wie sehr er mich schätzt (ich schluchze so laut, dass ich befürchte meine Nachbarn könnten es hören).

Er fragt mich, ob ich das, was wir haben, aufrecht erhalten kann. Er nennt es Freundschaft, dann „die Bindung“ zwischen uns, dann korrigiert er sich und sagt: „ofcourse i dont wanna say  we were and are normal friends“  Ob ich weiss, was er meint. Ja, ich weiss es und ja, ich sage ihm ich kann und ich möchte das. Nicht weil ich masochistisch veranlagt bin, sondern weil Yaya mehr ist als jemand für den ich Gefühle entwickelt habe. Er ist ein Freund, er ist mir nah, er war es bevor ich Gefühle für ihn hatte und ich will das er es auch in dieser Zeit ist und auch dann noch, wenn ich irgendwann keine Gefühle mehr für ihn haben sollte.

Ich sage ihm, dass er mich kennt, dass ich nicht weiss wohin ich im Leben will, dass ich nicht weiss, was ich mir für die Zukunft wünsche und das ich deswegen nichts erwarte (was eine halbe Lüge ist). „I am like u, u know how I am“ , antwortet er. Ich weiss, deswegen bist du mir so nah Yaya und vielleicht genau deswegen haben wir niemals eine Chance, mehr zu sein, als das was wir jetzt sind.

Alles was er sagt, ist so krampfhaft durchdacht, dass ich bei manchen seiner Formulierungen lächeln muss, als würde er es abschreiben. So durchdacht wie meine Email an ihn. Keine spontane Liebesbekundung, sondern ein durchdachter Text, der alles offen lässt, ausser der Tatsache, dass „u are one of the persons in my life, I really feel for“. Keine Wünsche, keine Bitte, keine Hoffnung. Auch seine Worte sind keine Antworten, eher Fragen, ein leises Nachhorchen ob wir, wir bleiben können, auch wenn er mir nicht geben kann, was eigentlich der Wunsch meiner Email hätte sein müssen. Eine gewisse Erleichterung als ich ihm sage, dass ich nichts weiss, nichts will, nur aussprechen was ich denke/fühle.

Irgendwann dann muss ich das Gespräch beenden, ich muss raus, ich muss jetzt meine Wunden lecken und das geht schlecht, solange ich noch mit ihm rede. Ich bin verabredet ist meine Entschuldigung, und sie ist wahr. „Ninjaan, I hope u never go into a relationship with someone who doesnt deserve u, just because u are afraid of being alone (not normal) it´s a good thing to build a family one day, but not for each price! “ Das lässt meine Gedanken für einen Moment zum Warter schweifen, der sich Gott sei Dank nicht mehr meldet – „No Yaya, I will never do that!“ 

Ich würde nun gerne der geplatzten Hoffnung den Mittelfinger zeigen und sagen, dass sie mich mal gern haben kann. Das ich es wusste, dass ich gut damit leben kann, dass sie sich einfach angeschlichen hat und sowieso nicht erwünscht war. Aber vielleicht sollte ich langsam damit anfangen die Wahrheit zu akzeptieren, aufhören mir selbst etwas vorzumachen, weil es am Ende sowieso nichts bringt, weil es die Hoffnung nicht interessiert, ob ich sie wollte oder nicht. Und weil dieses „Vormachen“ den Schmerz nicht lindert. Also entscheide ich mich dazu, die Zeit zu meiner neuen Königin zu küren, die mir die Enttäuschung, den Schmerz nehmen und die Hoffnung in ihre Schranken weisen wird. Weil sie alle Wunden heilt, auch wenn man jedesmal glaubt, dies mal würde sie es nicht schaffen.

Das verflixte 1. Date

Ich bin eine Perfektionistin, in gewissen Dingen. Ich gebe auf der Arbeit 100%, für die Familie 100%, in der Uni immer 100%, alles was mich voran bringt und was ich liebe animiert mich zu Höchstleistungen. Dieser (beinahe) Wahn verleitet mich allerdings dazu andere Dinge zu vernachlässigen. Das heisst nicht, dass sie mir egal sind, aber ich rede mir ein eben Abstriche machen zu müssen. Abstriche mache ich zum Beispiel bei meiner Wohnung, die regelmäßig so aussieht als hätte eine Bombe eingeschlagen. Das nervt mich fürchterlich und es bleibt auch nie lange so, weil ich mich irgendwann doch aufraffe, allerdings gebe ich nicht 100%, weswegen die Wohnung nach kurzer Zeit wieder genauso schxxx aussieht wie vorher. Und das hasse ich noch mehr. Ich wäre gerne in allem so akkurat, motiviert „close to perfect“ wie in meinen beschriebenen 100% (Lebens-)bereichen, aber ich finde einfach nicht die Balance. Dieses „nicht die Balance“ finden, nagt an meinem (sonst ziemlich ausgeprägten) Selbstbewusstsein. Wenn ich etwas anfange will ich es gut machen, sehr gut sogar und wenn mir das nicht gelingt, klatscht mein, sonst so hoch fliegendes, Ego wie ein nasser Sack auf den Boden der Tatsachen  und dann kann man mich erstmal vergessen. Dann lasse ich mein nasses Ego meist erstmal eine Weile dort unten liegen und trauere, solange bis ich in meinen 100% (Lebens-)Bereichen wieder Vollgas geben kann und mein Ego wieder wie von selbst Fliegen lernt.

Dates gehören, wie man sich schon denken kann, nicht zu meinen 100%  (Lebens-)Bereichen, was sich auch dadurch nicht geändert hat, dass ich mittlerweile 25+ bin und eigentlich genug Erfahrung gesammelt haben sollte. Trotzdem hege ich natürlich den leisen Wunsch, dennoch erfolgreich, bzw. 100%ig zu sein. Ich glaube manchmal ist mir das schon gelungen, leider war es gestern Abend nicht so und das erinnert mich wieder daran, dass ich eigentlich nicht für ein ewiges Singledasein geschaffen bin: Ich bin (mit 80% Sicherheit) absolut miserable bei 1. Dates und darum sollte ich verdammt noch mal endlich meine „Beziehungsgestörtheit“ ablegen, damit ich irgendwann nie wieder 1. Dates haben muss!

Ja, ich hatte gestern ein 1. Date, ich habe mir das 3. Stück Kuchen gegönnt und habe mich damit so maßlos überfressen, dass ich nicht mehr in der Lage war ich selbst zu sein! Ich war furchtbar, langweilig, verrückt (im negativen Sinne), unsicher … ich könnte noch mehrere Adjektive aufzählen, aber diese hier sollten ausreichen um den Grad der Katastrophe zu erahnen.

Es war ein Desaster und im Grunde hätte ich es schon erahnen können, als ich 1 Stunde vor der verabredeten Zeit im Bad stand, mich begutachtete und mir selbst absolut nicht gefiel.

Warum ist mein Gesicht heute so aufgequollen? Warum liegen meine Haare heute nicht (und was macht dieser riesen Knoten da – wie ich Locken hasse!)? Warum habe ich gerade heute so gerötete Haut? Ich glaube mir wird schlecht. Ich hätte vorher etwas essen sollen – saß die Hose eigentlich immer schon so eng (gut das ich doch nichts gegessen habe!)? 

Das ist nur ein kleiner Auszug der Gedanken die mir, 1 Stunde vor der Verabredung, durch den Kopf schossen. Ganz schlechtes Zeichen! Wenn man in einer solchen Stimmung ist sollte es am Besten verboten sein überhaupt auf ein Date zu gehen! (- Hallo EU, ich hätte da einen Vorschlag für einen neuen Gesetzesentwurf…)

Das Date war also eine Katastrophe, nicht weil der Warter unfreundlich oder nicht bemüht gewesen wäre. Auch wenn ich ihm nach kurzer Zeit die Irritation über mein Verhalten (vielleicht auch über mein Aussehen?) und die damit einhergehende Enttäuschung ansehen konnte, oder zumindest glaubte es sehen zu können. Ich war es, die es so katastrophal werden ließ, ich machte so ziemlich alles falsch, was man überhaupt falsch machen kann! Hier mal ein paar Tips oder besser gesagt, Dinge die ich aus dieser Katastrophe lernen muss:

1.) Gehe nie, niemals auf ein Date wenn du dich unattraktiv findest, es besteht die Gefahr, dass du genau das ausstrahlst und du dich damit uninteressant machst!                                                                                                                                                                                      2.) Führe keine Selbstgespräche, wenn dein Date jede Sekunde um die Ecke kommen und dich dabei erwischen könnte! (Führe am besten allgemein keine Selbstgespräche in der Öffentlichkeit, aber ganz besonders eben nicht in einem solchen Moment!)                                                                                                                                     3.) Solltest du dem paranoiden Wahn verfallen (wobei jede Paranoia aus einer vorangegangenen Situation erwächst!), dein Date könnte versuchen sich abzusetzen, SPRICH ES BLOß NICHT DIREKT AUS!  – Denn vielleicht will er tatsächlich nur sicher gehen, dass er sein Auto abgeschlossen hat…                                                                           4.) Versuch bloß nicht krampfhaft lustig zu sein, weil du es sonst immer bist (oder jedenfalls glaubst es sonst immer zu sein)!                                                                                   5.) Wenn dein Kopf leer ist und du nicht weisst was du antworten sollst, sag nicht so etwas wie: Sorry, irgendwie ist mein Kopf gerade leer…                                                                                                               6.) Geh nicht auf ein Date mit jemandem, dem du vorher gesagt hast, dass du eigentlich Interesse an jemand anderem hast und denke dann auch noch, du könntest einen Witz darüber machen! (Ich hab das Thema nicht begonnen, aber das hat es im Endeffekt nicht besser gemacht)                                                                                   7.) Und zu guter letzt: Lasse dich nicht dazu hinreissen dein Date zu küssen, wenn alles so schlecht läuft, weil du somit der schleppenden Konversation entkommen könntest. Denn dann hält er dich am Ende des Abends vielleicht nicht nur für langweilig und komisch, sondern auch noch für leicht zu haben! 

Das ist die Ausbeute an Erfahrungen, die ich aus diesem Date mitnehme, immerhin konnte ich meine Freundin heute morgen damit amüsieren und sie zum Lachen bringen und in wenigen Monaten werde ich auch darüber lachen können… hoffe ich zumindest!

Was mich aber dennoch ärgert, sind nun meine Gedanken „am Tag danach“, nicht nur, dass ich den Warter (vielleicht weil er so völlig „Warter unlike“ war?) irgendwie doch ganz anziehen fand (sonst hätte ich ihn ja nicht geküsst – er hat sich übrigens nicht weggedreht…das wär´s ja noch), aber im gleichen Atemzug an mein 1. Date mit Yaya denken musste. Was eigentlich kein wirkliches 1. Date war, weil es sich nicht nach 1. Date angefühlt hat, weil wir beide keine „Signale“ gesendet haben, ausser: Ich hätte heute Abend Lust nen Film zu sehen! Das war unsere Verabredung, ich habe Lust einen Film zu sehen. Ich habe ihn in Jogginghose vom Bahnhof abgeholt, wir sind zu mir gefahren und haben erstmal Kaffee getrunken und 2 Stunden nur über Politik geredet, danach haben wir uns mit einer riesigen Schale Mirabellen vor meinen neuen Fernseher gesetzt und einen völlig bescheuerten Horror b movie gesehen, der so schlecht war, dass wir die ganze Zeit nur gelacht haben.

Das 1. Date mit Yaya war kein Date, eher wie das Treffen von zwei alten Freunden, die nach 12 Stunden gemeinsam auf dem Teppich liegen, Filme gucken und Mirabellen essen, entdecken, dass sie doch ein bisschen, ein kleines bisschen, mehr als nur alte Freunde sind. „It´s all about enjoyment ninjaan! Do u enjoy it!“ Und wie ich es damals genossen habe, nach einer schrecklichen 48 Stunden Schicht einfach in Jogginghose mit einem klugen, lustigen Mann auf meinem Teppich zu liegen, Mirabellen zu essen und einen schlechten Film zu gucken. „Yes Yaya I enjoyed it!“  Und ohne ihn jetzt in den Himmel heben zu wollen, weil ich irgendwann gemerkt habe, dass ich doch (noch) Gefühle entwickeln kann (und das ausgerechnet für ihn!), es war das beste 1. Date, dass ich jemals hatte, weil es eben kein Date war.

Vielleicht habe ich einfach zu hohe Erwartungen an mich, an den Warter, an dieses Date allgemein gestellt? Es sollte die Heilung für mein Warten sein und im gewissen Sinne hat sich mein Warten nun auch auf zwei Bereich verteilt: Das Warten auf Yaya und das Warten darauf, dass der Warter sich meldet, mich beruhigt und sagt, dass es gar nicht so schlimm war, dass ich gar nicht so schlimm war.

Obwohl ich es eigentlich bin, denn ich hatte ein Date mit einem netten Mann, dass ich total habe in die Hose gehen lassen, weil ich eigentlich jemand anderen will, weil ich eigentlich gar nicht in „Datelaune“ war und weil ich jetzt auch noch erwarte, dass mich der Warter anruft und mir sagt, dass ich immer noch toll bin! Ich möchte also die Absolution dafür, dass ich mich maßlos überfressen habe und jemand anderem den Abend gründlich vermiest habe? Das alles ist nicht nur nicht „close to perfect“, das ist vollkommen egoistisch und albern.

Ich werde jetzt für den Rest des Tages mein nasses Ego am Boden begutachten, mich in Selbstmitleid suhlen und warten, auf was auch immer…

Ich hasse 1. Dates!